So einer war auch er!

Arno Holz

1863

Liegt ein Dörflein mitten im Walde, überdeckt vom Sonnenschein, und vor dem letzten Haus an der Halde sitzt ein steinalt Mütterlein. Sie läßt den Faden gleiten und Spinnrad Spinnrad sein und denkt an die alten Zeiten und nickt und schlummert ein.

Heimlich schleicht die Mittagsstille durch das flimmernde grüne Revier. Alles schläft; selbst Drossel und Grille und vorm Pflug der müde Stier. Da plötzlich kommt es gezogen blitzend den Wald entlang und vor ihm hergeflogen Trommel- und Pfeifenklang.

Und in das Lied vom alten Blücher jauchzen die Dörfler: »Sie sind da!« Und die Mädels schwenken die Tücher und die Jungens rufen:»Hurra!« Gott schütze die goldenen Saaten, dazu die weite Welt; des Kaisers junge Soldaten ziehn wieder ins grüne Feld!

Sieh, schon schwenken sie um die Halde, wo das letzte der Häuschen lacht. Schon verschwinden die ersten im Walde, und das Mütterchen ist erwacht. Versunken in tiefes Sinnen, wird ihr das Herz so schwer, und ihre Tränen rinnen: »So einer war auch Er!«

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Illustration zu So einer war auch er!

Interpretation

Das Gedicht "So einer war auch er!" von Arno Holz erzählt von einem idyllischen Dorf im Wald, in dem eine alte Frau sitzt und an vergangene Zeiten denkt. Die friedliche Stimmung wird durch das Herannahen von Soldaten unterbrochen, die durch ihr Trommel- und Pfeifenspiel die Dorfbewohner in Begeisterung versetzen. Die Soldaten ziehen weiter in den Wald, und die alte Frau erwacht aus ihrem Schlaf. Sie versinkt in tiefes Nachdenken und wird von Traurigkeit übermannt, als sie realisiert, dass auch ihr Sohn, "So einer", ein Soldat war. Das Gedicht beginnt mit einer ruhigen und beschaulichen Szene, in der eine alte Frau in einem Dorf sitzt und an die Vergangenheit denkt. Die Natur um sie herum scheint in einen tiefen Mittagsschlaf versunken zu sein. Plötzlich wird diese Stille durch das Herannahen von Soldaten gestört, die mit ihrem lauten Trommel- und Pfeifenspiel die Aufmerksamkeit der Dorfbewohner auf sich ziehen. Die Dorfbewohner jubeln und begrüßen die Soldaten mit Begeisterung, während die alte Frau aus ihrem Schlaf erwacht. Die Stimmung im Dorf ändert sich von friedlich zu aufregend, als die Soldaten eintreffen. Die Dorfbewohner sind begeistert von ihrem Anblick und begrüßen sie mit Jubel und Applaus. Die Soldaten ziehen weiter in den Wald, und die alte Frau wird von tiefen Gedanken übermannt. Sie erkennt, dass auch ihr Sohn, "So einer", ein Soldat war und möglicherweise in den Krieg gezogen ist. Ihre Traurigkeit und Sehnsucht nach ihrem Sohn werden in den letzten Zeilen des Gedichts deutlich: "So einer war auch Er!" Das Gedicht "So einer war auch er!" von Arno Holz ist eine ergreifende Darstellung der Auswirkungen des Krieges auf die Menschen. Es zeigt, wie die friedliche Stimmung eines Dorfes durch das Herannahen von Soldaten gestört wird und wie die Dorfbewohner auf diese Veränderung reagieren. Die alte Frau im Gedicht symbolisiert die Trauer und Sehnsucht der Mütter, die ihre Söhne in den Krieg ziehen sehen müssen. Das Gedicht erinnert uns daran, dass hinter jeder Uniform ein Mensch steht, der von seiner Familie geliebt und vermisst wird.

Schlüsselwörter

walde halde spinnrad alten grüne schwenken liegt dörflein

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Stilmittel

Alliteration
Drossel und Grille
Hyperbel
Gott schütze die goldenen Saaten
Ironie
So einer war auch Er!
Metapher
und vor dem letzten Haus an der Halde / sitzt ein steinalt Mütterlein
Onomatopoesie
Trommel- und Pfeifenklang
Personifikation
Heimlich schleicht die Mittagsstille / durch das flimmernde grüne Revier
Symbolik
goldenen Saaten