So drängt und treibt sich alles vorüber
1921So drängt und treibt sich alles vorüber … unmerklich kommt es und verblinkt, Welle auf Welle hebt sich und sinkt, was trüb, wird hell, was hell war, trüber. Du selber trittst dir als Fremder entgegen, und was dir hochheilig einst schien und groß, du frägst dich und lächelst und spottest fast drüber: wie war es nur möglich! wie konnte man bloß! wie konnte man zweifeln dabei und zögern, es lag doch so einfach, so glatt und so klar, wie konnte man sich darüber erregen, da alles doch selbstverständlich war!
Schon aber drängt auch das vorüber … du merkst kaum, wie es versinkt und verrinnt, wie es leise zu anderem übergaukelt, wie schon eine neue Welle beginnt und dich auf ihre Höhe schaukelt!
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Interpretation
Das Gedicht "So drängt und treibt sich alles vorüber" von Cäsar Flaischlen beschreibt die flüchtige Natur des Lebens und der menschlichen Erfahrungen. Es verdeutlicht, wie alles im Leben einem ständigen Wandel unterworfen ist, wobei die Metapher der Wellen den unaufhaltsamen Fluss der Zeit symbolisiert. Die Unmerklichkeit, mit der Ereignisse kommen und vergehen, betont die Vergänglichkeit aller Dinge. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die Veränderung seiner eigenen Persönlichkeit und seiner Perspektiven. Was einst als heilig und wichtig galt, erscheint nun fremd und fast lächerlich. Diese Veränderung der Einstellung unterstreicht die Vergänglichkeit nicht nur äußerer Ereignisse, sondern auch innerer Überzeugungen und Gefühle. Die Frage "Wie konnte man bloß?" verdeutlicht das Erstaunen über vergangene Zweifel und Ängste, die heute als unnötig erscheinen. Der letzte Teil des Gedichts führt die Thematik der Vergänglichkeit fort. Auch die neue Erkenntnis und die damit verbundene Ruhe sind nur von kurzer Dauer. Sie werden ebenfalls von einer neuen Welle des Lebens abgelöst, die den Sprecher erneut in Bewegung versetzt. Dies verdeutlicht, dass der Kreislauf des Wandels unaufhaltsam ist und dass der Mensch ständig neuen Herausforderungen und Veränderungen gegenübersteht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- wie war es nur möglich! wie konnte man bloß! wie konnte man zweifeln dabei und zögern
- Enjambement
- So drängt und treibt sich alles vorüber ... unmerklich kommt es und verblinkt
- Gleichnis
- wie es leise zu anderem übergaukelt
- Kontrast
- was trüb, wird hell, was hell war, trüber
- Metapher
- Welle auf Welle hebt sich und sinkt
- Parallelismus
- was trüb, wird hell, was hell war, trüber
- Personifikation
- So drängt und treibt sich alles vorüber
- Rhetorische Frage
- wie war es nur möglich! wie konnte man bloß!
- Symbolik
- Welle auf Welle hebt sich und sinkt