Sizilianisches Lied

Johann Wolfgang von Goethe

1834

Ihr schwarzen Äugelein! Wenn ihr nur winket, Es fallen Häuser ein, Es fallen Städte; Und diese Leimenwand Vor meinem Herzen - Bedenk′ doch nur einmal - Die sollt′ nicht fallen!

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Interpretation

Das Gedicht "Sizilianisches Lied" von Johann Wolfgang von Goethe thematisiert die überwältigende Macht der Liebe und des Blicks einer Frau. Die "schwarzen Äugelein" werden als fast magisch wirkende Augen beschrieben, die durch einen einzigen Wink die Fähigkeit besitzen, ganze Häuser und Städte zum Einsturz zu bringen. Diese Metapher verdeutlicht die Intensität und die zerstörerische Kraft, die von der Anziehungskraft und dem Begehren ausgehen kann. Die "Leimenwand" vor dem Herzen des Sprechers symbolisiert eine fragile Barriere, die das innere Selbst vor der äußeren Welt schützt. Der Appell an die "schwarzen Äugelein", diese Wand nicht zum Einsturz zu bringen, zeigt die Angst vor der eigenen Verletzlichkeit und dem möglichen Verlust der Kontrolle durch die Liebe. Die Wand steht für die emotionale Verteidigung, die der Sprecher aufrechterhalten möchte, um sich vor der überwältigenden Wirkung der Liebe zu schützen. Goethes Gedicht vermittelt eine tiefe Ambivalenz: Die Anziehungskraft der Liebe ist sowohl verlockend als auch beängstigend. Der Sprecher ist sich der zerstörerischen Kraft bewusst, die von den Augen der Geliebten ausgehen kann, und fürchtet zugleich, dass sie auch die letzte Schutzmauer seines Herzens einreißen könnten. Dieses Gedicht spiegelt die universelle Erfahrung wider, dass Liebe sowohl eine Quelle der Freude als auch der Angst sein kann, da sie die Macht hat, das eigene Selbst und die Welt, wie man sie kennt, grundlegend zu verändern.

Schlüsselwörter

fallen schwarzen äugelein winket häuser städte leimenwand herzen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Ihr schwarzen Äugelein!
Hyperbel
Es fallen Häuser ein, Es fallen Städte;
Imperativ
Bedenk′ doch nur einmal
Metapher
Und diese Leimenwand Vor meinem Herzen