Siona

Friedrich Gottlieb Klopstock

1831

Töne mir, Harfe des Palmenhains, Der Lieder Gespielin, die David sang! Es erhebt steigender sich Sions Lied, Wie des Quells, welcher des Hufs Stampfen entscholl.

Höher in Wolken, o Palmenhain, Erblickst du das Thal, wie der Lorberwald! Und entsenkst Schatten, herab auf den Wald, Dem Gewölk, welches dich deckt, Palme, mit Glanz,

Tanze, Siona, Triumph einher! Am Silbergelispel Phiala′s trit Sie hervor! schwebet im Tanz! fühlts, wie du Sie erhebst, Religion dessen, der ist!

Seyn wird! und war! Der erbabnen weht Sanft Rauschen vom Wipfel der Palme nach. An dem Fall, welchen du tönst, reiner Quell Des Krystals, rufen ihr nach Berge Triumph!

Feuriger blickt sie! ihr Haupt umkränzt Die Rose Sarona, des Blumenthals. Ihr Gewand fliesst, wie Gewölk, sanft um sie, Wie des Tags Frühe gefärbt, Purpur und Gold.

Liebevoll schauet, o Sulamith Siona, mein Blick dir, und freudig nach! Es erfüllt Wehmuth und Ruh, Wonn′ erfüllt Mir das Herz, wenn du dein Lied, himlische, singst.

Hört ihr? Siona begint! schon rauscht Der heilige Hain von dem Harfenlaut! Des Krystals Quelle vernimts, horcht, und steht; Denn es wehn Lispel im Hain rings um sie her.

Aber itzt stürzt sie die Well′ herab Mit freudiger Eil! Denn Siona nimt Die Posaun′, hält sie empor, lässt sie laut Im Gebirg′ hallen! und ruft Donner ins Thal!

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Illustration zu Siona

Interpretation

Das Gedicht "Siona" von Friedrich Gottlieb Klopstock ist ein lyrisches Loblied auf die Schönheit und die spirituelle Kraft der Natur. Die Harfe, als Symbol der Musik und des Gesangs, wird aufgefordert, die Lieder zu spielen, die einst von David gesungen wurden. Der Sprecher beschreibt die steigende Melodie des Liedes, die sich wie ein sprudelnder Quell erhebt und durch den Palmenhain hallt. Die Natur wird als heiliger Ort dargestellt, an dem sich der Geist erheben und die Religion erfahren lässt. In der zweiten Strophe wird die Verbindung zwischen Natur und Religion noch deutlicher. Die Palme wird als Symbol der Religion betrachtet, die den Geist erhebt und ihm Glanz verleiht. Die Erwähnung von Phiala's silbernem Gelispel und dem Tanz der Siona verstärkt die Verbindung zwischen Natur und Spiritualität. Die Religion wird als etwas dargestellt, das bereits war, ist und sein wird, was auf ihre ewige Natur hinweist. Die letzte Strophe des Gedichts zeigt die emotionale Wirkung der Natur auf den Sprecher. Er beschreibt, wie er Siona mit Liebe und Freude ansieht und wie sein Herz von Wehmut, Ruhe und Wonne erfüllt ist, wenn sie ihr himmlisches Lied singt. Die Harfe wird erneut erwähnt, die nun den heiligen Hain mit ihrem Klang erfüllt. Die Quelle des Kristalls wird als Zeuge des Liedes dargestellt, das durch den Hain hallt. Die Posaune, die Siona erhebt und in das Tal ruft, symbolisiert die Kraft der Natur und ihre Fähigkeit, den Geist zu erheben und zu inspirieren.

Schlüsselwörter

siona lied thal herab gewölk palme triumph sanft

Wortwolke

Wortwolke zu Siona

Stilmittel

Hyperbel
Höher in Wolken, o Palmenhain
Metapher
Im Gebirg' hallen! und ruft Donner ins Thal
Personifikation
Des Krystals Quelle vernimts, horcht, und steht
Vergleich
Wie des Tags Frühe gefärbt, Purpur und Gold