Sinkender Himmel

Stefan Zweig

1933

Du Herz, das immer die Sterne begehrte,  Für jeden Wunsch verschenkt sich ein Traum.  Sieh, schon neigt sich der abendverklärte  Himmel zu dir, und du faßt es kaum. Neigt sich und neigt sich. Und in sein Sinken  Hebt die Erde verschreckt ihr Gesicht,  Und wie mit purpurnen Lippen trinken  Die Höhen das letzte löschende Licht. Alle Bäume schon müssen ihn fühlen,  Steil greift ihr Schmerz in den Abend empor,  Und mit den zitternden Armen wühlen  Sie sich in den samtenen Sternenflor. Und tiefer rauschen die Wolkenfernen.  Schon streifen sie dich, wie ein Kuß, wie ein Kleid,  Und wiegen nun sanft mit den silbernen Sternen  Dein Herz in die nahe Unendlichkeit.

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Illustration zu Sinkender Himmel

Interpretation

Das Gedicht "Sinkender Himmel" von Stefan Zweig beschreibt die tiefe Sehnsucht des Herzens nach den Sternen und den Traum, der dafür geopfert wird. Der Himmel neigt sich dem Herzen zu, das es kaum fassen kann. Die Erde hebt ihr Gesicht in das Sinken des Himmels, während die Höhen das letzte Licht trinken. Die Bäume fühlen das Sinken und strecken ihre Schmerzen in den Abend empor, wühlen sich in den samtenen Sternenflor. Die Wolken streifen das Herz wie ein Kuss oder ein Kleid und wiegen es mit den silbernen Sternen in die nahe Unendlichkeit. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Sehnsucht und des Übergangs. Der Himmel neigt sich dem Herzen zu, das danach strebt, die Sterne zu erreichen. Doch gleichzeitig geht die Dämmerung einher mit dem Sinken des Himmels und dem Erlöschen des Lichts. Die Bäume spüren den Schmerz dieses Übergangs und strecken sich in den Abend empor. Die Wolken streifen das Herz und wiegen es mit den Sternen in die Unendlichkeit, was auf eine Art Trost oder Erlösung hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung, die von Sehnsucht und Übergang geprägt ist. Es beschreibt die Schönheit des Himmels und der Sterne, aber auch die Vergänglichkeit und das Erlöschen des Lichts. Die Natur wird als leidend und schmerzhaft dargestellt, aber auch als tröstend und wiegend. Das Gedicht lädt den Leser ein, sich in die Unendlichkeit zu träumen und die Sterne zu erreichen, auch wenn dies einen Traum kostet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Sinkender Himmel

Stilmittel

Metapher
Und wiegen nun sanft mit den silbernen Sternen Dein Herz in die nahe Unendlichkeit
Personifikation
Und tiefer rauschen die Wolkenfernen
Vergleich
Schon streifen sie dich, wie ein Kuß, wie ein Kleid