Sind wir frei?
1842Und hindert nichts mich, frei von dir zu reden, Darf meine Liebste uns umschlungen sehn. So können wir in jedes Wort, in jeden Blick - lächelnden Gewissens sehn.
Nicht antworten, wenn Neugierige uns fragen. Die wahren Freunde sind vertrauend scheu. Und ach, du weißt: Ich bin der Liebsten treu.
Dir aber kann ich jetzt nur eines sagen: Es ist so schön, wenn Menschen Menschen tragen.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Sind wir frei?" von Joachim Ringelnatz handelt von den Zwängen und Freiheiten in menschlichen Beziehungen. Es beginnt mit der Erkenntnis, dass der Sprecher frei von der Geliebten sprechen darf, ohne dabei die eigene Liebste zu verletzen. Dies deutet auf eine gewisse Offenheit und Ehrlichkeit in der Beziehung hin, die jedoch durch die Anwesenheit der Liebsten eingeschränkt wird. Die Zeile "So können wir in jedes Wort, in jeden / Blick - lächelnden Gewissens sehn" suggeriert, dass trotz dieser Einschränkung ein gewisses Maß an Freiheit und Glück in der Beziehung vorhanden ist. Im zweiten Teil des Gedichts geht es um den Umgang mit neugierigen Menschen und wahren Freunden. Der Sprecher betont, dass man nicht auf Fragen neugieriger Personen antworten sollte, während wahre Freunde scheu und vertrauensvoll sind. Dies impliziert, dass der Sprecher Wert auf Diskretion und Vertrauen legt und sich bewusst ist, welche Menschen in seinem Leben wichtig sind. Die Zeile "Und ach, du weißt: Ich bin der Liebsten treu" unterstreicht die Treue des Sprechers zu seiner Liebsten, auch wenn er sich in der Beziehung eingeschränkt fühlt. Im letzten Teil des Gedichts richtet sich der Sprecher direkt an die Geliebte und sagt ihr, dass es schön ist, wenn Menschen einander tragen. Dies kann als Metapher für die Unterstützung und das Verständnis in menschlichen Beziehungen verstanden werden. Trotz der Einschränkungen und Zwänge, die in Beziehungen existieren können, gibt es auch Momente der Freiheit und des Glücks, in denen Menschen einander tragen und unterstützen. Das Gedicht vermittelt somit eine komplexe und nuancierte Sicht auf menschliche Beziehungen und die damit verbundenen Freiheiten und Zwänge.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- umschlungen sehn
- Metapher
- Es ist so schön, wenn Menschen Menschen tragen
- Personifikation
- Neugierige
- Wiederholung
- Menschen Menschen tragen