Simm Gredlin

Oswald von Wolkenstein

1377

“Simm Gredlin, Gret, mein Gredelein, mein zarter bül, herz lieb gemait, dein züchtlich er an mir nicht weich!” “Halt wie es get, mein Öselein, in deiner schül treu stetikait, die wil ich leren ewikleich.” “Die wort sol ich behalten mir und schreiben in meins herzen grund von deinem röselochten munt.” “Mein hort, das selb ist wol mein gier, wann ich wil nicht wencken. Gedenck, liebs Öselein, an mich, dein Gredlin sol erfreuen dich.”

“Du kanst mich nicht erfreuen bas, wann das ich läg an deinem arm, verslossen als ain kleusener.” “in deiner pflicht wurd ich nicht lass, an sainlich träg mach ich dir warm und ist mir das ain klaine swer.” “Hab danck, mein trauter aidgesell, das sol ich dir vergessen klain, wann du bist wol, die ich da main.” “An wanck von mir kain ungevell, herzlieb, nicht enwarte!” “Danck so hab die zarte.”

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Illustration zu Simm Gredlin

Interpretation

Das Gedicht "Simm Gredlin" von Oswald von Wolkenstein ist ein mittelalterliches Minnelied, das in einem Dialog zwischen einem Mann und einer Frau erzählt wird. Der Mann, vermutlich der Sänger selbst, spricht die Frau an, die er "Gredlin" nennt, ein Kosewort, das Zärtlichkeit ausdrückt. Er preist ihre Zucht und ihre liebevolle Art, die er an sich nicht als Schwäche empfindet. Die Frau antwortet, dass sie ihm Treue und Standhaftigkeit in seiner Schule beibringen wird, und zwar ewiglich. Sie verspricht, ihre Worte in ihrem Herzen zu bewahren und von ihrer rötlichen, lockigen Miene zu schreiben. Der Mann erwidert, dass er ihre Worte behalten und in seinem Herzen verankern wird. Er vergleicht ihr Herz mit seiner Gier und will nicht wanken. Er bittet sie, an ihn zu denken, da ihr Gredlin ihn erfreuen soll. Die Frau entgegnet, dass er sie nicht erfreuen könne, selbst wenn sie in seinen Armen läge, verschlungen wie ein Schloss. Sie versichert ihm, dass sie in ihrer Pflicht nicht nachlassen werde und ihn mit ihrer zärtlichen Tracht wärmen werde, was ihr eine kleine Qual sei. Der Mann dankt ihr, seinem treuen Gefährten, und sagt, dass er ihr das nicht klein vergessen werde, da sie diejenige sei, die er da habe. Er warnt sie, von ihm kein Unheil zu erwarten, und bittet sie, nicht zu warten. Die Frau antwortet mit einem Dank und einem Hinweis auf ihre Zärtlichkeit.

Schlüsselwörter

sol wann gredlin öselein wil wol erfreuen ain

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
treu stetikait
Anapher
Simm Gredlin, Gret, mein Gredelein, mein zarter bül, herz lieb gemait
Metapher
herz lieb gemait
Personifikation
herzlieb, nicht enwarte!
Reimschema
A-B-A-B-C-D-C-D