Sieg
1935In Dämmerung die Erde ruht, Und leise strömt die Wellenflut, Und alles schweigt im dunklen Raum Und schlummert tief und athmet kaum.
Da rauscht es von den Feldern auf, Und Lerchen schwingen sich hinauf, Und flattern aus mit Sang und Schall Wie der Drommete Schlachtsignal.
Seht hin nach Ost! wie dicht und wild Ein Meer von dunklen Wolken quillt; Sie lagern sich zur Todesschlacht, Und horch! wie laut der Donner kracht.
Und grimmer ballt die Wolkenfaust Zum Kampfe sich, der Sturm erbraust, Und drängt zurück das Morgenlicht, Das glühend aus dem Himmel bricht.
Da aber strömts vom Berge her So wie ein goldnes Flammenmeer, Mit Waffenglanz, mit Siegessschwall, Mit Morgenliedern, Sang und Schall.
Und aus der Erde wallt der Duft, Der Hain erschallt, die Glocke ruft, - Da fällt der Feind und wälzt sich tot In seinem Blut - im Morgenrot! -
Und wenn einst so nach heißer Schlacht Erliegt bei Zweifel Wolkennacht Wenn einst der Menschheit Geisteslicht Sich so die Bahn zum Siege bricht;
Wenn all die Nacht, im Blute tot, Erglüht als helles Morgenrot; - Dann möcht ich wol ein Flämmchen sein Vom Feuermeer im Siegesschein;
Dann möcht ich laut als Sturm der Lust Aufjauchzen mit beglückter Brust, Dann braust ich hin wie Blitzesstral Mit Siegesgesang durch Berg und Tal!
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Interpretation
Das Gedicht "Sieg" von Hermann Rollett beschreibt eine dramatische Naturbeobachtung, die als Metapher für einen Kampf und letztendlichen Triumph dient. Die erste Strophe setzt eine ruhige, fast schläfrige Stimmung, in der die Erde in der Dämmerung ruht und alles still zu sein scheint. Diese Ruhe wird jedoch durch das Erwachen der Lerchen gestört, die sich in die Höhe schwingen und mit ihrem Gesang wie ein Kriegsruf erklingen. Die zweite Strophe führt einen Konflikt ein, symbolisiert durch die sich sammelnden dunklen Wolken im Osten, die sich auf eine "Todesschlacht" vorbereiten. Der Donner und der Sturm repräsentieren die Intensität des Kampfes, während das Morgenlicht versucht, sich durchzusetzen. Die dritte Strophe zeigt den Wendepunkt, als ein "goldenes Flammenmeer" vom Berg her strömt, begleitet von dem Glanz der Waffen und Siegesgesängen. Die Natur erwacht zum Leben, und der Feind wird besiegt, versinkt in seinem Blut im Morgenrot. Die letzte Strophe erweitert die Metapher auf den menschlichen Kampf um Erkenntnis und Fortschritt. Sie suggeriert, dass nach einer Zeit der Dunkelheit und des Zweifels, in der das "Geisteslicht" der Menschheit erlischt, ein neuer Tag anbricht. Der Dichter drückt den Wunsch aus, Teil dieses siegreichen Moments zu sein, als ein "Flämmchen" im Meer des Feuers oder als ein jubelnder Sturm, der mit Siegesgesang durch die Welt zieht. Das Gedicht endet mit einer kraftvollen Vision des Triumphs über Widrigkeiten und der Freude über den errungenen Sieg.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit Siegesgesang durch Berg und Tal
- Metapher
- braust ich hin wie Blitzesstral
- Personifikation
- Und grimmer ballt die Wolkenfaust Zum Kampfe sich