Sie sol der Jugend brauchen
1653Kom Liebste / laß uns Rosen brechen / Weil sie noch voll und färbicht seyn Laß andre / was sie wollen / sprechen / Die Flucht schleicht sich den Jahren ein.
Wir müssen unverwendet schauen Wie uns diß alles folgen muß / Die Jugend trägt sich durch die Auen Geschwind mit unvermerckten Fuß.
Das Haar / der Mund und diese Wangen Vergehen offt in kurtzer Zeit. Der augen-Liechter göldne Spangen Seyn für dem Tode nicht befreit.
Die edle Schönheit der Geberden / Die meiner Liebe Mutter ist / Kan durch den Wind verwehet werden. Kom Liebste / weil du jung noch bist.
Wer sucht den Mäyen unsrer Tage Hernach / ist er einmahl vorbey? Häufft sich des Winters Leid und Plage / So sind wir aller Liebe frey.
Wie sich ein Regenstrom behende Von Bergen in die Thäler geust: So reissen wir uns selbst zum ende / Das uns jtzund schon eylen heist.
Sind wir in dürren Sand geleget / So werden wir und bleiben bleich. Ein Stock der keine Zweige träget / Jst keiner frischen Myrte gleich.
Drümb laß uns lieben / wie es gehet / Eh noch der Abendstern anbricht. Wer in der Liebe nichts verstehet / Der braucht der edlen Jugend nicht.
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Interpretation
Das Gedicht "Sie sol der Jugend brauchen" von David Schirmer ist ein typisches Werk der Frühen Neuzeit, das sich mit der Vergänglichkeit der Jugend und Schönheit sowie der Dringlichkeit des Liebens auseinandersetzt. Der Sprecher appelliert an seine Geliebte, die Rosen zu brechen, solange sie noch voll und farbig sind, und warnt vor den unaufhaltsamen Veränderungen der Zeit. Die Flucht der Jahre wird als schleichend beschrieben, was die Unausweichlichkeit des Alterns unterstreicht. Im zweiten Teil des Gedichts betont der Sprecher die Eile, mit der die Jugend vergeht, und vergleicht sie mit einem schnellen Gang durch die Auen. Er weist darauf hin, dass Haare, Mund und Wangen oft in kurzer Zeit vergehen, und selbst die goldenen Spangen der Augen nicht vor dem Tod bewahrt werden können. Die edle Schönheit der Geberden, die die Mutter seiner Liebe ist, kann durch den Wind verweht werden. Diese Bilder verdeutlichen die Vergänglichkeit äußerer Schönheit und die Notwendigkeit, die Jugend zu nutzen. Der letzte Teil des Gedichts enthält eine Warnung vor dem Verlust der Liebe und Jugend. Der Sprecher fragt, wer nach dem Vergehen der Tage noch die Macht der Jugend sucht, und weist darauf hin, dass im Winter, wenn Leid und Plage zunehmen, alle Freiheit von Liebe herrscht. Er vergleicht das Leben mit einem Regenstrom, der sich schnell von den Bergen in die Täler ergießt, und mahnt, dass das Ende schnell herannaht. Der Sprecher schließt mit der Aufforderung, zu lieben, solange es geht, bevor der Abendstern aufgeht, und betont, dass wer die Liebe nicht versteht, auch die edle Jugend nicht braucht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Imperativ
- Kom Liebste / laß uns Rosen brechen
- Metapher
- So reissen wir uns selbst zum ende
- Personifikation
- Die Flucht schleicht sich den Jahren ein
- Rhetorische Frage
- Wer sucht den Mäyen unsrer Tage
- Vergleich
- Ein Stock der keine Zweige träget / Jst keiner frischen Myrte gleich