Sie sehn sich nicht wieder

Friedrich Hebbel

1813

Von dunkelnden Wogen Hinuntergezogen, Zwei schimmernde Schwäne, sie schiffen daher, Die Winde, sie schwellen Allmählich die Wellen, Die Nebel, sie senken sich finster und schwer.

Die Schwäne, sie meiden Einander und leiden, Nun tun sie es nicht mehr, sie können die Glut Nicht länger verschließen, Sie wollen genießen, Verhüllt von den Nebeln, gewiegt von der Flut.

Sie schmeicheln, sie kosen, Sie trotzen dem Tosen Der Wellen, die zweie in eines verschränkt, Wie die sich auch bäumen, Sie glühen und träumen, In Liebe und Wonne zum Sterben versenkt.

Nach innigem Gatten Ein süßes Ermatten, Da trennt sie die Woge, bevor sie′s gedacht. Laßt ruhn das Gefieder! Ihr seht euch nicht wieder, Der Tag ist vorüber, es dämmert die Nacht.

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Illustration zu Sie sehn sich nicht wieder

Interpretation

Das Gedicht "Sie sehn sich nicht wieder" von Friedrich Hebbel beschreibt das tragische Schicksal zweier Schwäne, die sich in den dunklen, tosenden Wellen begegnen. Die Naturgewalten, symbolisiert durch die dunklen Wellen, den Wind und die Nebel, schaffen eine düstere und bedrohliche Atmosphäre. Die Schwäne, die zunächst einander meiden und leiden, können ihre Leidenschaft nicht länger verbergen und geben sich in der verhüllenden Nacht ihren Gefühlen hin. In der zweiten Strophe geben sich die Schwäne ihren Gefühlen hin, schmeicheln und kosen einander, trotzen dem Tosen der Wellen. Sie sind in ihrer Liebe versunken, glühend und träumend, bereit, in der Wonne zu sterben. Doch ihre Vereinigung ist nur von kurzer Dauer, denn nach dem innigen Zusammensein trennt sie die Woge, bevor sie es gedacht haben. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Schwäne sich nicht wiedersehen werden. Die Nacht bricht herein, und die kurze, leidenschaftliche Begegnung ist vorüber. Die Zeile "Laßt ruhn das Gefieder!" unterstreicht die Endgültigkeit ihrer Trennung und den Verlust der Möglichkeit, ihre Liebe fortzusetzen. Hebbel nutzt die Naturmetapher der Schwäne, um die Vergänglichkeit der Liebe und die Unausweichlichkeit des Schicksals zu verdeutlichen.

Schlüsselwörter

schwäne wellen dunkelnden wogen hinuntergezogen zwei schimmernde schiffen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Nach innigem Gatten Ein süßes Ermatten
Enjambement
Nach innigem Gatten Ein süßes Ermatten
Kontrast
Der Tag ist vorüber, es dämmert die Nacht
Metapher
In Liebe und Wonne zum Sterben versenkt
Metik
Die Schwäne, sie meiden Einander und leiden
Personifikation
Die Winde, sie schwellen