Sie sähn es gern, ich würde kirre
1816Sie sähn es gern, ich würde kirre und beugete mich niederwärts; sie machten gern mein tapfres Herz in seinem stolzen Glauben irre.
Sie sagten mir: Es ist vergebens, du änderst nicht den Lauf der Welt; Knecht bleibt sie doch! Und dir vergällt hast du den Sommer deines Lebens.
Wohl, sei es so! Sich fügen lerne, wem Fügsamkeit genügen kann, auch Demut schmücket ihren Mann: Ich aber folge meinem Sterne!
Da hilft kein Rat, da ist kein Wählen, ich kann nicht anders, wollt′ ich auch: Die Freiheit ist mein Lebenshauch, sie ist die Seele meiner Seelen!
So laßt mich meine Bahn vollenden, wie sie auch sei, mein Ziel ist mein; ja, sollt′ es auch ein Irrweg sein, ich will ihn doch mit Ehren enden.
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Interpretation
Das Gedicht "Sie sähn es gern, ich würde kirre" von Robert Eduard Prutz handelt von einem unbeugsamen Willen und der Treue zu den eigenen Idealen trotz Widerstände und Zweifel von außen. Der Sprecher wird von anderen dazu gedrängt, sich anzupassen und seinen stolzen Glauben an Freiheit und Selbstbestimmung aufzugeben. Sie warnen ihn vor vergeblichen Anstrengungen und prophezeien ein verbittertes Leben. Doch der Sprecher beugt sich nicht und bleibt seiner Überzeugung treu. Er erkennt zwar an, dass sich manchen mit Fügsamkeit und Demut genügt, doch er selbst folgt seinem eigenen Stern. Freiheit ist für ihn unentbehrlich, sie ist der Lebenshauch und die Seele seiner Seele. Er kann nicht anders, selbst wenn er wollte. Am Ende des Gedichts bekräftigt der Sprecher seinen Entschluss, seinen Weg bis zum Ziel zu gehen, wie er auch immer aussehen mag. Auch wenn es ein Irrweg sein sollte, will er ihn mit Ehren beenden. Das Gedicht vermittelt eine starke Botschaft von Selbstbestimmung und dem Festhalten an den eigenen Idealen trotz Widerstände und Zweifel. Der Sprecher bleibt seinem Weg treu und beugt sich nicht dem Druck der Anpassung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- ich will ihn doch mit Ehren enden
- Personifikation
- sie machten gern mein tapfres Herz in seinem stolzen Glauben irre