Sie ist herauf gestiegen
1824Sie ist herauf gestiegen Aus der kristallnen Gruft, Läßt froh die Blicke fliegen In Gottes freie Luft.
Sie grüßt den Strand entzücket, Wo sie als Mägdlein saß, Hat an die Brust gedrücket Das schwanke Halmengras.
Das Türmlein der Kapelle Winkt hoch vom Fels am Meer, Sein Glöcklein klinget helle Im Lande weit umher.
Und sanfter heut erschallet Der fromme Glockenton, Im langen Zuge wallet Das Volk zur Kirche schon.
Es gehn mit dem Liederbuche Die Jungfrau ins Gotteshaus. Und jede, auf weißem Tuche, Trägt einen Nelkenstrauß.
Sie folget zur Kapelle Und zagt, hinein zu gehn, Doch auf der Kirchenschwelle Sieht sie die Mutter stehn.
“Ach liebes Kind, Agnete, Sag′ an, wo kommst du her?” “O Mutter, Mutter bete, Ich war im blauen Meer.”
Sie stürzet auf die Kniee Und weinet bitterlich: “Du heilige Marie, Ach bitte du für mich!”
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Interpretation
Das Gedicht "Sie ist herauf gestiegen" von Louise von Plönnies erzählt von der Rückkehr einer Frau aus dem Meer, die sich nun in eine geistliche Gemeinschaft einfügt. Die Erzählung beginnt mit ihrem Aufstieg aus einer "kristallnen Gruft", was auf einen Zustand der Isolation oder des Todes hindeutet, gefolgt von ihrer Freude an der Freiheit und der Schönheit der Welt. Die Frau wird von Erinnerungen an ihre Kindheit überwältigt, als sie den Strand begrüßt, wo sie als Mädchen saß und das Gras berührte. Die Kapelle mit ihrem Glockenturm, der weit über das Land hallt, symbolisiert einen spirituellen Anziehungspunkt. Das Läuten der Glocke läutet den Beginn eines religiösen Festes ein, zu dem die Menschen in einem langen Zug zur Kirche ziehen. Im letzten Teil des Gedichts wird die Frau, nun als Jungfrau namens Agnete identifiziert, von ihrer Mutter am Eingang der Kapelle erwartet. Die Mutter fragt nach ihrem Verbleib, und Agnete antwortet, dass sie im "blauen Meer" war. Die Mutter bittet die heilige Maria, für ihre Tochter zu beten, was auf eine tiefe spirituelle Verbindung und möglicherweise auf eine Art Initiationsritus oder religiöse Erneuerung hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- "Du heilige Marie, Ach bitte du für mich!"
- Bildsprache
- Sie stürzet auf die Kniee Und weinet bitterlich
- Dialog
- "O Mutter, Mutter bete, Ich war im blauen Meer."
- Hyperbel
- Im Lande weit umher
- Kontrast
- Und sanfter heut erschallet Der fromme Glockenton
- Metapher
- Sie ist herauf gestiegen Aus der kristallnen Gruft
- Onomatopoesie
- Sein Glöcklein klinget helle
- Personifikation
- Sie folget zur Kapelle Und zagt, hinein zu gehn
- Symbolik
- Und jede, auf weißem Tuche, Trägt einen Nelkenstrauß