Sie ist der gröseste Reichthumb
1873Das prächtigste Kriegs-schiff / dem je das Meer war kund / Hat keinen Mast so hoch / als hoch ist mein begehren; Kein Ancker halb so starck vnd beissend in den grund Als meine Lieb und Trew / die vnauffhörlich wehren.
So knüpfet auch kein Sayl noch Leyn ein solchen bund / Als die zart krause haar / die meinen gaist beschweren; Kein Wind bließ jemahl auff die seegel stoltz vnd rund / Als mich die süsse lüfft des rohten munds bethören.
Kein Schifman hat jemahls in einer schwartzen nacht Ein halb so klares liecht oder gestirn erblicket Als hell seind die augstern / mein trost und Amors pracht.
So hat auch noch kein Schiff / nach langer fahrt beglicket / Ein Kleinoth so vil wehrt zu vns von Ost gebracht / Als dises Kleinoth ist / das alle welt erquicket.
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Interpretation
Das Gedicht "Sie ist der grösste Reichthumb" von Georg Rodolf Weckherlin ist eine Liebeserklärung an eine Frau, die der Dichter als unübertrefflich und wertvoll preist. Die Metaphern des Gedichts vergleichen die Geliebte mit einem prächtigen Kriegsschiff, das alle anderen übertrifft. Der Dichter beschreibt seine Sehnsucht und seine Liebe als höher als die Masten des Schiffes und seine Treue als stärker als den Anker, der unerschütterlich im Grund verankert ist. Die Haare der Geliebten werden mit den Segeln des Schiffes verglichen, die den Geist des Dichters beschwerend an sie binden. Der Kuss ihrer roten Lippen wird mit einem Wind verglichen, der die Segel stolz und rund bläst und den Dichter verzaubert. Die Augen der Geliebten werden als klare Sterne beschrieben, die in der dunkelsten Nacht leuchten und Trost sowie die Pracht der Liebe symbolisieren. Das Gedicht schließt mit dem Vergleich eines kostbaren Kleinods, das aus dem Osten gebracht wurde und alle Welt erfreut. Dieses Kleinod ist die Geliebte selbst, die für den Dichter unbezahlbar und von unschätzbarem Wert ist. Weckherlin verwendet diese maritime Bildsprache, um die Tiefe und Intensität seiner Liebe auszudrücken und die Einzigartigkeit seiner Angebeteten zu betonen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- So hat auch noch kein Schiff / nach langer fahrt beglicket / Ein Kleinoth so vil wehrt zu vns von Ost gebracht / Als dises Kleinoth ist / das alle welt erquicket
- Metapher
- Kein Schifman hat jemahls in einer schwartzen nacht / Ein halb so klares liecht oder gestirn erblicket / Als hell seind die augstern
- Personifikation
- Kein Wind blieff jemahl auff die seegel stoltz vnd rund
- Vergleich
- Als mich die süsse lüfft des rohten munds bethören