Sie haben ihren Lohn dahin

Friedrich Theodor Vischer

1888

Herr Spilling ist so klug und tief: Die ganze Welt scheint ihm naiv. Sein Augengläschen eingriffen, Das wie ein Mikroskop geschliffen, Durchschaut er jeglich Ding auf’s Haar Und Alles, Alles ist ihm klar. Ein Lächeln weilt auf seinen Zügen, Die Ironie ist sein Vergnügen.

Nun ist zwar der Ironiker Natürlich kein Platoniker, Doch nebenher sentimental, Er seufzt um das Ideal Und immer sagt sein müder Blick: Die Welt ist schlecht, es gibt kein Glück.

Auf dieser Welt kein Glück? Ei wie? Dein Glück ist ja die Ironie. Wenn du dich allzeit lustig machst, Mundwinkel zuckst und witzelnd lachst

Oh Andern, welche wie ein Kind Ganz ohne Ursach’ lustig sind, So wohnt ja Lust, Lust über Lust In deiner königlichen Brust; Der Selbstgenuß ist doch nicht klein, Der einzig weise Mann zu sein! Drum geh' Mit deinem Weh! Klag’ nicht um vorenthaltnen Lohn! Er steht nicht aus, du hast ihn schon.

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Illustration zu Sie haben ihren Lohn dahin

Interpretation

Das Gedicht "Sie haben ihren Lohn dahin" von Friedrich Theodor Vischer handelt von Herrn Spilling, einem Mann, der sich selbst als sehr klug und tiefgründig betrachtet. Er sieht die Welt als naiv an und durchschaut alles mit seinem scharfen Verstand. Sein Lächeln und seine Ironie sind sein Vergnügen, und er seufzt um das Ideal, während er sagt, dass die Welt schlecht ist und es kein Glück gibt. Die Ironie des Gedichts liegt darin, dass Herr Spilling selbst sein Glück in seiner Ironie findet. Wenn er sich über andere lustig macht und witzelnd lacht, empfindet er Lust und Selbstgenuss. Er betrachtet sich als den einzig weisen Mann und genießt es, sich über andere zu erheben. Das Gedicht kritisiert seine Selbstgefälligkeit und seine Unfähigkeit, das Glück in anderen Dingen zu finden. Am Ende des Gedichts wird Herr Spilling aufgefordert, mit seinem Weh aufzuhören und nicht mehr um vorenthaltenen Lohn zu klagen. Es wird betont, dass er seinen Lohn bereits erhalten hat, nämlich die Freude und den Genuss, die er in seiner Ironie findet. Das Gedicht verdeutlicht die Ironie der Situation und zeigt, dass Herr Spilling selbst für sein Unglück verantwortlich ist, da er sein Glück in seiner eigenen Überlegenheit sucht.

Schlüsselwörter

welt kein glück lust ironie lustig herr spilling

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Wortwolke zu Sie haben ihren Lohn dahin

Stilmittel

Alliteration
Mundwinkel zuckst und witzelnd lachst
Anapher
Lust, Lust über Lust
Bildsprache
Sein Augengläschen eingriffen, Das wie ein Mikroskop geschliffen
Direkte Ansprache
Oh Andern, welche wie ein Kind
Hyperbel
Oh Andern, welche wie ein Kind Ganz ohne Ursach' lustig sind
Ironie
Die Ironie ist sein Vergnügen
Kontrast
Herr Spilling ist so klug und tief: Die ganze Welt scheint ihm naiv
Metapher
Die Welt ist schlecht, es gibt kein Glück
Personifikation
Der Selbstgenuß ist doch nicht klein
Reim
Auf dieser Welt kein Glück? Ei wie? / Dein Glück ist ja die Ironie
Rhetorische Frage
Auf dieser Welt kein Glück? Ei wie?
Schlussfolgerung
Er steht nicht aus, du hast ihn schon
Wiederholung
Alles, Alles ist ihm klar