Sicilianische Lieder (6) - Der Berg von Trapani
1804Heut, Mißgünst′ge, vernehmt′s, bestieg ich den wolkigen Eryx. Aber fragt ihr warum? geb′ ich die Antwort euch gern. Schön zwar ist′s vom felsigen Haupt, dem taubenbewohnten, Nieder zu blicken auf Thal, Ufer und Insel und Meer. Jene Klippen, von Wellen umschäumt, bezaubert die Sage; Denn der wilde Cyklop warf sie hinaus in das Meer. Seinem Vater feierte hier Aeneas das Kampfspiel, Wo der rauschenden See Trepanons Sichel entsteigt. Dort um die Inseln schlug der Römer blutige Seeschlacht Und zu Frieden und Bund bot der Karthager die Hand. Ueber die Ebene blick′ ich hinweg, die rebenbegrünte, Lilybaeon erglänzt sonnig am äußersten Strand, Dem mit Aeolus Gunst das Schiff am Abend entwandert, Um mit dem Frühroth schon glücklich in Tunis zu sein. Schön zu schauen ist das; doch wißt, den ermüdenden Bergpfad Stieg der Wandrer darum nicht, der verhaßte, hinan. Eine Wallfahrt gebot ihm das Herz; zum Tempel der Venus Trieb ihn die Andacht, es trieb ernstlicher Dank ihn empor. Fromm ist jeder nach eigener Art, mir vergönnet die meine, Nur dem eigenen Drang bin ich ja immer gefolgt. Heuchelt, wie′s euch bedünkt; ich bekenne fröhlich, der Göttin Hab′ ich Jugend und Kraft gerne zu Dienste geweiht. Nicht mit Asche bestreut′ ich mein Haupt, doch kränzt′ ich′s mit Rosen, Wenn ein Mädchen mich oft feurigen Armes umschlang. Drum erhöre mein brünstig Gebet, o Himmlische, wende Deine Gunst von dem Schwarm, der dich verläugnet, hinweg. Dir zu opfern gebietet Natur allmächtigen Dranges, Und zu läugnen versucht′s Frömmler und Heuchler umsonst. Nimm mein Opfer und gieb mir ins Leben Schönheit in Fülle, Gieb der Grazie Huld, aber die edelste, mir!
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Interpretation
Das Gedicht "Sicilianische Lieder (6) - Der Berg von Trapani" von Wilhelm Friedrich Waiblinger handelt von einer Wallfahrt zum Berg Eryx, der in der sizilianischen Mythologie eine große Bedeutung hat. Der Sprecher erklärt, dass er den Berg bestiegen hat, um der Göttin Venus zu huldigen, der er in seiner Jugend und Kraft gedient hat. Er gesteht, dass er zwar nicht religiös ist, aber seiner eigenen Natur folgt und die Göttin der Liebe und Schönheit verehrt. Der Sprecher beschreibt die Schönheit der Landschaft vom Gipfel des Berges aus, einschließlich der Klippen, der Ebene und der Inseln. Er erwähnt auch die historische Bedeutung des Ortes, einschließlich der Seeschlacht zwischen den Römern und den Karthagern. Der Sprecher betont jedoch, dass er den Berg nicht nur wegen seiner Schönheit bestiegen hat, sondern als eine Art religiöser Pilgerreise, um der Göttin Venus zu danken und sie um ihre Gunst zu bitten. Das Gedicht endet mit einem Gebet an die Göttin Venus, in dem der Sprecher sie bittet, ihm Schönheit und Anmut zu schenken und ihm zu helfen, ein erfülltes Leben zu führen. Der Sprecher betont, dass er der Natur und seinen eigenen Wünschen folgt und dass er die Göttin der Liebe und Schönheit verehrt, weil sie ihm geholfen hat, ein erfülltes Leben zu führen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wo der rauschenden See Trepanons Sichel entsteigt
- Anapher
- Heut, Mißgünst′ge, vernehmt′s, bestieg ich den wolkigen Eryx. Aber fragt ihr warum? geb′ ich die Antwort euch gern.
- Anspielung
- Seinem Vater feierte hier Aeneas das Kampfspiel
- Bildsprache
- Ueber die Ebene blick′ ich hinweg, die rebenbegrünte
- Enjambement
- Schön zwar ist′s vom felsigen Haupt, dem taubenbewohnten, Nieder zu blicken auf Thal, Ufer und Insel und Meer.
- Hyperbel
- Nicht mit Asche bestreut′ ich mein Haupt, doch kränzt′ ich′s mit Rosen
- Kontrast
- Nicht mit Asche bestreut′ ich mein Haupt, doch kränzt′ ich′s mit Rosen
- Metapher
- Schön zwar ist′s vom felsigen Haupt, dem taubenbewohnten
- Personifikation
- Dem mit Aeolus Gunst das Schiff am Abend entwandert
- Rhetorische Frage
- Aber fragt ihr warum?