Sicilianische Lieder (12) - Rückkunft nach Messina
1893Nimmer, dünkt mir, vergönnt es der Gott von Zankle zu scheiden. König der Winde, vernimm, König der Wasser, mein Lied. Wieder bin ich zum Strudel gekehrt der wilden Charybdis; Meiner Wanderung Ziel schien der Peloro zu sein. Und was bracht′ ich zurück? Ein Herz voll Freuden und Wonnen, Und ein Glück, wie es nur Wen′gen der Himmel geschenkt. Jubelnd strömte das Wort mir auf die begeisterte Lippe, Als vom Gebirge zumal wieder die prangende Stadt, Hafen und Burg und das leuchtende Blau des wogenden Meeres, Wie ein gigantischer Strom zwischen die Ufer gedrängt, Als der Faro sich mir und Kalabriens südliche Zauber, Scilla und Apennin wieder dem Auge gezeigt, Und vergangener Monde, vergangener Freuden Erinnrung, Meer und Ufer und Stadt dankbar und zärtlich begrüßt. Aber, o Vater Neptun, dem eilenden Wandrer entgegen Führest du Wellen und Wind, führest du Aeolus Brut. Und ein Gefangener bleib′ ich zurück; an jeglichem Morgen Tret′ ich ans Fenster, den Zug wandelnder Wolken zu schaun. Und den Schiffer ermüdet der Fragen läst′ge Bestürmung; Immer kehr′ ich an Bord, immer nach Hause zurück. Wann erblick′ ich die Segel? Es kommen und scheiden die Schiffe; Durch den empörten Kanal ziehen sie schwankend heran. Nur das meine verweilt, und vergebens heftet die Sehnsucht Nach dem Faro den Blick, wünscht sich ins Weite hinaus. Wochen voll ängstlicher Pein rollt so von der Spindel die Parze, Und das neid′sche Geschick löst mir die Fessel noch nicht. Zwar es würzt mir die Stunden der Freundschaft reichste Bewirthung; Aber, o Götter, nach Rom treibt mich die Liebe zurück.
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Interpretation
Das Gedicht "Sicilianische Lieder (12) - Rückkunft nach Messina" von Wilhelm Friedrich Waiblinger handelt von der Rückkehr des lyrischen Ichs nach Messina und den damit verbundenen Gefühlen und Erlebnissen. Das Gedicht beginnt mit der Beschreibung der Rückkehr des lyrischen Ichs zum Strudel der wilden Charybdis und dem Ziel, das Peloro zu sein. Das lyrische Ich bringt ein Herz voller Freude und Wonne zurück und ein Glück, das nur wenigen vom Himmel geschenkt wurde. Die Rückkehr wird als freudiges Ereignis beschrieben, bei dem das lyrische Ich die prangende Stadt, den Hafen, die Burg und das leuchtende Blau des Meeres wieder sieht. Das Gedicht beschreibt auch die Erinnerungen an vergangene Monate und Freuden, die das lyrische Ich bei der Rückkehr nach Messina empfindet. Das lyrische Ich begrüßt Meer, Ufer und Stadt dankbar und zärtlich. Doch dann wird das lyrische Ich von Vater Neptun und den Wellen und Winden zurückgehalten. Das lyrische Ich bleibt ein Gefangener und schaut jeden Morgen aus dem Fenster, um die wandernden Wolken zu beobachten. Das lyrische Ich fragt die Schiffer nach den Segeln, aber nur das eigene Schiff verweilt und die Sehnsucht nach dem Faro bleibt unerfüllt. Das Gedicht endet mit der Beschreibung der Wochen voller ängstlicher Pein, die das lyrische Ich erlebt. Die Parze, die Göttin des Schicksals, rollt die Wochen von der Spindel, aber das neidische Geschick löst die Fessel des lyrischen Ichs noch nicht. Das lyrische Ich wird von der Freundschaft bewirtet, aber die Liebe treibt es zurück nach Rom.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Jubelnd strömte das Wort mir auf die begeisterte Lippe
- Anspielung
- O Vater Neptun
- Apostrophe
- König der Winde, vernimm, König der Wasser, mein Lied.
- Bildsprache
- Als vom Gebirge zumal wieder die prangende Stadt, Hafen und Burg und das leuchtende Blau des wogenden Meeres
- Hyperbel
- Und ein Glück, wie es nur Wen'gen der Himmel geschenkt.
- Kontrast
- Und den Schiffer ermüdet der Fragen läst'ge Bestürmung; Immer kehr' ich an Bord, immer nach Hause zurück.
- Metapher
- Und das neid'sche Geschick löst mir die Fessel noch nicht.
- Personifikation
- Nimmer, dünkt mir, vergönnt es der Gott von Zankle zu scheiden.
- Symbolik
- Wochen voll ängstlicher Pein rollt so von der Spindel die Parze