Sicherheit im Glück
1838Sag′ einem, der erfreut dem Glück im Schooße lieget, Daß dessen Stille stets die Sicherheit betrüget, Daß es uns, ehe wir es recht erkannt, verläßt; Er höret dich nicht mehr, denn junge Hochzeitgäst′ Den Wächter, der des Nachts die Stunden rufet, hören; Er spottet deiner Gunst und lachet deiner Lehren, Und alle deine Wort′ entführt der schnelle Wind. Ein Glücklicher ist taub, sowie das Glück ist blind.
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Interpretation
Das Gedicht "Sicherheit im Glück" von Christian Wernicke beschäftigt sich mit der vergänglichen Natur des Glücks und der menschlichen Unfähigkeit, Warnungen in Momenten des Wohlstands zu hören. Der Autor vergleicht den Zustand des Glücks mit einer täuschenden Ruhe, die unweigerlich gestört wird. Er warnt davor, dass das Glück oft unerwartet entgleitet, noch bevor man es vollständig erfasst hat. Doch diese Warnung erreicht den Glücklichen nicht, da er in seiner Freude taub für die Realität ist. Wernicke verwendet das Bild des Hochzeitsgastes, der den nächtlichen Wächter nicht hört, um die Ignoranz des Glücklichen gegenüber Warnungen zu illustrieren. Der Glückliche verspottet diejenigen, die ihn warnen, und lacht über ihre Lehren, als ob diese Worte vom Wind fortgetragen würden. Dies verdeutlicht die menschliche Tendenz, in Zeiten des Glücks die Realität zu verdrängen und sich gegen unangenehme Wahrheiten abzuschotten. Das Gedicht schließt mit einer eindringlichen Metapher: Ein Glücklicher ist taub, genauso wie das Glück selbst blind ist. Dies impliziert, dass sowohl der Glückliche als auch das Glück selbst blind für die Gefahren und die Vergänglichkeit sind. Die Blindheit des Glücks deutet darauf hin, dass es unvorhersehbar und ungerecht ist, während die Taubheit des Glücklichen seine Weigerung symbolisiert, die Wahrheit zu hören. Wernicke vermittelt somit eine zeitlose Lektion über die Vergänglichkeit des Glücks und die menschliche Natur, die oft in Momenten des Wohlstands die Realität verkennt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- denn junge Hochzeitgäst′ Den Wächter, der des Nachts die Stunden rufet, hören
- Hyperbel
- Er spottet deiner Gunst und lachet deiner Lehren
- Metapher
- Sag′ einem, der erfreut dem Glück im Schooße lieget
- Personifikation
- Daß dessen Stille stets die Sicherheit betrüget
- Vergleich
- Ein Glücklicher ist taub, sowie das Glück ist blind