Sicherer Trost

Joseph Christian von Zedlitz

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Traurig hängst Du das Köpfchen, Weil muß geschieden seyn: Meintest Du, närrisches Mädchen, Ich sey für ewig Dein?

Deine Blume hab’ ich nicht gebrochen, Dein Kränzchen Dir nicht geraubt; Die Luft hat mit Dir gesprochen, Dem Winde hast Du geglaubt!

Und weil ich Dich eben genommen, So wie ich Dich eben fand, So meinst Du, mich hätte geschlungen An Dich ein ewiges Band?

Und weil ich gelegen im Fieber, Und hab’ Dich im Traume geküßt, So meinst Du, ich hätte für’s Leben Als meine Braut Dich gegrüßt? –

Sey ruhig und trockne Dein Thränchen, Ich weiß, daß Dein Herzchen nicht bricht. Heiß Blut und achtzehn Jahre – Mein Mädchen, Du stirbst noch nicht!

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Illustration zu Sicherer Trost

Interpretation

Das Gedicht "Sicherer Trost" von Joseph Christian von Zedlitz thematisiert die Vergänglichkeit und Unbeständigkeit menschlicher Beziehungen, insbesondere im Kontext einer jungen Liebe. Der Sprecher tröstet ein vermeintlich trauriges Mädchen, das den Abschied als endgültig empfindet und sich in einer tiefen emotionalen Bindung wähnt. In den ersten Strophen weist der Sprecher die Vorstellung zurück, dass er ihr für immer gehöre oder dass ihre Verbindung von Dauer sei. Er vergleicht seine Rolle mit der eines Windes, der flüchtig und unverbindlich ist, und deutet an, dass das Mädchen seine Gefühle falsch interpretiert hat. Der Sprecher betont, dass er sie nicht "gebrochen" oder "geklaut" hat, sondern sie nur so genommen hat, wie er sie vorgefunden hat, was auf eine oberflächliche und vorübergehende Beziehung hindeutet. Die folgenden Strophen vertiefen dieses Thema, indem sie die Intimität der Beziehung in Frage stellen. Der Sprecher erinnert sich an eine Begegnung im Fieberzustand, bei der er das Mädchen im Traum geküsst hat. Er relativiert diese Erfahrung als nicht repräsentativ für eine lebenslange Bindung oder eine formelle Verlobung. Im letzten Teil des Gedichts bietet der Sprecher einen tröstenden, aber auch etwas zynischen Trost an. Er versichert dem Mädchen, dass ihr Herz nicht brechen wird und dass ihre Jugend und Leidenschaft sie vor dem Tod bewahren werden. Dies kann als eine Art ironischer Trost verstanden werden, der die Unbeständigkeit der Jugend und die Unvermeidlichkeit des Wandels betont.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Weil ich Dich eben genommen, / So wie ich Dich eben fand
Direkte Anrede
Mein Mädchen, Du stirbst noch nicht!
Frage
Meintest Du, närrisches Mädchen, / Ich sey für ewig Dein?
Hyperbel
An Dich ein ewiges Band
Ironie
Närrisches Mädchen
Kontrast
Traurig hängst Du das Köpfchen, / Weil muß geschieden seyn
Metapher
Deine Blume hab' ich nicht gebrochen
Personifikation
Die Luft hat mit Dir gesprochen, / Dem Winde hast Du geglaubt
Symbolik
Heiß Blut und achtzehn Jahre
Vergleich
So wie ich Dich eben fand