Si wunderwol gemachet wîp

Walther von der Vogelweide

1907

Si wunderwol gemachet wîp, daz mir noch werde ir habedanc! Ich setze ir minneclîchen lîp vil werde in mînen hôhen sanc. Gern ich in allen dienen sol, doch hân ich mir dise ûz erkorm. ein ander weiz die sînen wol: die lob er âne mînen Zorn; hab ime wîs unde wort mit mir gemeine: lob ich hie, sô lob er dort.

Ir houbet ist sô wünnenrîch, als ez mîn himel welle sîn. Wem solde ez anders sîn gelîch? es hât ouch himeleschen schîn: Dâ liuhtent zwêne sternen abe, dâ müeze ich mich noch inne ersehen, daz si mirs alsô nâhen habe! sô mac ein wunder wol geschehen: ich junge, und tuot si daz, und wirt mir gernden siechen seneder sühte baz.

Got hât ir wengel hôhen flîz, er streich sô tiure varwe dar, Sô reine rôt, sô reine wîz, hie roeseloht, dort liljenvar. Ob ichz vor sünden tar gesagen, sô saehe ichs iemer gerner an dan himel oder himelwagen. owê waz lob ich tumber man? mach ich si mir ze hêr, vil lîhte wirt mîns mundes lop mîns herzen sêr.

Sie hât ein küssen, daz ist rôt. gewünne ich daz für mînen munt, Sô stüende ich ûf von dirre nôt unt waere ouch iemer mê gesunt. Swâ si daz an ir wengel legt, dâ waere ich gerne nâhen bî: ez smecket, sô manz iender regt, alsam ez vollez balsmen sî: daz sol si lîhen mir. swie dicke sô siz wider wil, sô gibe ichz ir.

Ir kel, ir hende, ietweder fuoz, daz ist ze wunsche wol getân. Ob ich da enzwischen loben muoz, sô waene ich mê beschouwet hân. Ich hete ungerne decke blôz! gerüefet, do ich sî nacket sach. si sach mich niht, dô si mich schôz, daz mich noch sticht als ez dô stach, swann ich der lieben stat gedenke, dâ si reine ûz einem bade trat.

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Illustration zu Si wunderwol gemachet wîp

Interpretation

Das Gedicht "Si wunderwol gemachet wîp" von Walther von der Vogelweide ist ein Minnelied, das die Schönheit einer Frau in höchsten Tönen lobt. Der Sprecher preist die Frau als ein wunderbar geschaffenes Wesen und drückt seine tiefe Bewunderung für ihre äußere Erscheinung aus. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die körperliche Schönheit der Frau, wobei der Sprecher besonders ihre Figur und ihr Gesicht hervorhebt. Er vergleicht ihr Haupt mit dem Himmel und ihre Augen mit Sternen, was ihre himmlische und göttliche Schönheit unterstreicht. Die Farben ihres Gesichts werden als rein und strahlend beschrieben, was die Vollkommenheit ihrer Erscheinung betont. Im weiteren Verlauf des Gedichts geht der Sprecher auf spezifische Details der Schönheit der Frau ein, wie ihre Lippen und ihre Hände. Er drückt den Wunsch aus, ihre Lippen küssen zu dürfen und ihre Hände berühren zu können. Die Beschreibung ihrer Körperteile ist sehr sinnlich und zeigt die starke Anziehungskraft, die die Frau auf den Sprecher ausübt. Das Gedicht endet mit einer Erinnerung des Sprechers an einen Moment, in dem er die Frau nackt gesehen hat, als sie aus dem Bad trat. Diese Erinnerung wird als besonders intensiv und eindringlich beschrieben, was die starke erotische Anziehungskraft zwischen dem Sprecher und der Frau verdeutlicht. Insgesamt ist das Gedicht ein Lobgesang auf die Schönheit einer Frau und die tiefe Bewunderung, die der Sprecher für sie empfindet.

Schlüsselwörter

daz lob wol reine werde vil sol hie

Wortwolke

Wortwolke zu Si wunderwol gemachet wîp

Stilmittel

Alliteration
Sô reine rôt, sô reine wîz
Anspielung
dan himel oder himelwagen
Bildsprache
Dâ liuhtent zwêne sternen abe
Hyperbel
Dâ müeze ich mich noch inne ersehen, / daz si mirs alsô nâhen habe
Kontrast
hie roeseloht, dort liljenvar
Metapher
Ich setze ir minneclîchen lîp / vil werde in mînen hôhen sanc
Personifikation
Got hât ir wengel hôhen flîz
Reimschema
Die Strophen folgen einem AABBCC-Rhythmus
Symbolik
Si hât ein küssen, daz ist rôt
Vergleich
Ir houbet ist sô wünnenrîch, / als ez mîn himel welle sîn