Seufzer

Adolf Glaßbrenner

1844

Es blühen die Blümlein im Thal und auf Höhn′; Sie kleiden sich alle in Farben so schön, Ein jedes nach seiner Weise. Sie duften so lieblich, sie duften so fein: Was kann denn so hold wie die Blumen noch sein? Ich singe den Blumen zum Preise.

Die Vögelein fliegen von Zweig zu Zweig; Sie haben ein freies und glückliches Reich Und singen zu Gottes Ehre. Die Lerche, sie jubelt, die Nachtigall klagt, Kein Vogel, wie er zu singen hat, fragt. O, daß ich ein Vögelein wäre! ′

Die Sterne, sie glänzen so feurig und mild; Das Weltmeer woget so kräftig und wild; Die Bächlein murmeln so leise: Frei äußert sich Alles in Wald und Flur, Und Alles und Alles nach seiner Natur, Und Alles auf seine Weise!

Des Menschen Geist aber ist Duft und Klang, Und Glanz und Blüthe und wilder Drang, Er ist der Gott auf Erden! Und ist er nicht frei, ist es höllische Schmach, Daß der Göttliche seine Fesseln nicht brach, Und frei und frei muß er werden!

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Illustration zu Seufzer

Interpretation

Das Gedicht "Seufzer" von Adolf Glaßbrenner beschreibt die Schönheit und Freiheit der Natur. Der Sprecher bewundert die Blumen, die Vögel und die Sterne, die sich alle nach ihrer eigenen Natur und Weise ausdrücken. Er sehnt sich danach, wie die Vögel frei zu sein und ihre Lieder zu singen. Im zweiten Teil des Gedichts richtet sich der Blick des Sprechers auf den menschlichen Geist. Er vergleicht ihn mit den Düften, Klängen und dem Glanz der Natur. Der menschliche Geist wird als göttlich beschrieben, als "Gott auf Erden". Der Sprecher betont, dass der Mensch frei sein muss, da es eine "höllische Schmach" wäre, wenn er in Fesseln gehalten würde. Der letzte Vers drückt den Wunsch nach Freiheit aus, der für den menschlichen Geist unerlässlich ist.

Schlüsselwörter

frei weise duften blumen vögelein zweig singen blühen

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Sie kleiden sich alle in Farben so schön, Ein jedes nach seiner Weise.
Hyperbel
Was kann denn so hold wie die Blumen noch sein?
Kontrast
Die Lerche, sie jubelt, die Nachtigall klagt
Metapher
Des Menschen Geist aber ist Duft und Klang, Und Glanz und Blüthe und wilder Drang, Er ist der Gott auf Erden!
Parallelismus
Und Alles und Alles nach seiner Natur, Und Alles auf seine Weise!
Personifikation
Die Sterne, sie glänzen so feurig und mild; Das Weltmeer woget so kräftig und wild; Die Bächlein murmeln so leise
Wunschgedanke
O, daß ich ein Vögelein wäre!