Sesostris

Charlotte von Ahlefeld

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Im Triumph, nach mühevollen Tagen, Kehrt Sesostris heim aus blut′ger Schlacht. Könige, die seine Fesseln tragen, Mehren seines Zuges stolze Pracht; Denn gespannt an hohen Siegeswagen, Hat sie ihres Überwinders Macht. Unvermögend, seinem Trotz zu fliehen, Müssen sie ihn statt der Rosse ziehen.

Tiefgebeugt, und in sich selbst gekehret, Wanken sie dahin im finstern Gram. Ach, dass er ihr Leben, so entehret, Nicht zugleich mit Thron und Scepter nahm! Seiner Diener Hohn, den niemand wehret, Schärfet noch der Unterjochten Scham, Und sie senken die ergrimmten Blicke, Fluchend ihrem feindlichen Geschicke.

Einer wendet nur sein Haupt zur Seite, Lächelt still mit wehmuthsvoller Lust. Ihm verletzt das schmähliche Geleite Frecher Spötter nicht die Felsenbrust. Nimmer mit sich selbst im bangen Streite, Bleibt er seiner Würde sich bewusst, Und des Rades ewig gleicher Schwung Füllt sein Auge mit Beruhigung.

Und man hört Sesostris stolz ihn fragen: Warum bleibt Dein Muth stets gleich und gross? - Schmachvoll zieh ich Deinen Siegeswagen, Spricht der König - Schande ist mein Loos. Doch dies Rad hilft mir mein Elend tragen Und erhält mich in der Hoffnung Schoos. Gleich dem Glück hat mich sein Gang belehret, Dass sich oben schnell nach unten kehret.

Da ergriffen schreckende Gewalten Rauh den Sieger, der so trotzig war; Und er lässt den Zug des Wagens halten Und steigt ab. - Vor seiner Völkerschaar Reichet er dem tiefgekränkten Alten Seine Rechte zur Versöhnung dar. Wohl vergänglich, spricht er, ist das Glück - Darum nimm die Krone nun zurück!

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Illustration zu Sesostris

Interpretation

Das Gedicht "Sesostris" von Charlotte von Ahlefeld erzählt die Geschichte des ägyptischen Pharaos Sesostris, der nach einem siegreichen Feldzug triumphierend nach Hause kehrt. Die besiegten Könige müssen seinen Triumphwagen ziehen, was ihre Demütigung und Schmach verdeutlicht. Die Dichterin schildert die tiefen Gefühle der Unterworfenen, die in sich gekehrt und voller Gram sind. Nur ein König, der seine Würde bewahrt hat, lächelt still vor sich hin. Er findet Trost in der Erkenntnis, dass das Glück, symbolisiert durch das Rad des Wagens, vergänglich ist und sich schnell wenden kann. Die zweite Strophe konzentriert sich auf die Reaktionen der unterworfenen Könige. Sie sind tief gekränkt und gedemütigt, tragen ihre Ketten und müssen den Siegerwagen ziehen. Ihr inneres Leiden wird eindrücklich beschrieben - sie wanken im finsteren Gram dahin und sind voller Scham. Die Dichterin betont, dass sie sich wünschen, ihr Leben möge gleich mit ihrem Thron und Zepter genommen worden sein. Der Hohn der Diener Sesostris verstärkt noch ihr Leid. Die Unterworfenen senken ihre Blicke voller Grimm und fluchen ihrem schicksalhaften Los. In der dritten Strophe wird der eine König vorgestellt, der sich von der Erniedrigung nicht unterkriegen lässt. Er wendet sein Haupt zur Seite und lächelt still vor sich hin. Für ihn ist das schmachvolle Geleit der Spötter nicht von Bedeutung. Er bleibt sich selbst treu und bewusst seiner Würde. Das Rad des Wagens, das ewig gleichmäßig seine Runden dreht, spendet ihm Trost und Beruhigung. Es symbolisiert für ihn die Vergänglichkeit des Glücks und die Möglichkeit, dass sich die Verhältnisse schnell ändern können. Die vierte Strophe bringt die Begegnung zwischen Sesostris und dem weisen König. Der Pharao fragt erstaunt, warum dieser seine Fassung bewahrt hat. Die Antwort des Königs ist tiefgründig - er erkennt, dass auch sein Los, die Schande, vergänglich ist. Das Rad des Wagens lehrt ihn, dass das Glück schnell ins Unglück kippen kann. Diese Erkenntnis hilft ihm, sein Elend zu tragen und in der Hoffnung zu verharren. In der fünften und letzten Strophe ereilt Sesostris ein Schicksalsschlag, der ihn demütigt. Er lässt den Zug anhalten und steigt vom Wagen. Vor seiner versammelten Volksmenge reicht er dem alten König seine Hand zur Versöhnung. Sesostris erkennt die Vergänglichkeit des Glücks an und gibt dem König seine Krone zurück. Damit endet das Gedicht auf einer versöhnlichen Note, in der Demut und die Erkenntnis der Vergänglichkeit aller irdischen Dinge im Vordergrund stehen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Gleichnis
Gleich dem Glück hat mich sein Gang belehret
Ironie
Schmachvoll zieh ich Deinen Siegeswagen
Kontrast
Doch dies Rad hilft mir mein Elend tragen
Metapher
Schreckliche Gewalten
Personifikation
Des Rades ewig gleicher Schwung
Symbolik
Rad
Umkehrung
Reichet er dem tiefgekränkten Alten seine Rechte zur Versöhnung dar
Vorahnung
Dass sich oben schnell nach unten kehret