Serenade

Wilhelm Hauff

1880

Wenn vom Berg mit leisem Tritte Luna wandelt durch die Nacht, Eil ich zu des Liebchens Hütte, Lausche ob die Holde wacht. Seh ich dort die Lampe glühen, In dem stillen Kämmerlein, Möcht ich wie der Lampe milder Schein Spielend um die zarten Wangen ziehen.

Mit des Lichtes schönsten Strahlen Zög ich um mein liebes Kind, Farben wollt ich um sie malen, Wie sie nur am Himmel sind; Sände Schlummer ihr aufs Auge, Löschte sie des Lämpchens Schein, War ihr letzter, süßer Blick noch mein, Und ich stürbe sanft an ihrem Hauche.

Nimmer darf ich um sie weben, Wie der Lampe milder Schein, Doch mein Lied darf zu ihr schweben, Darf der Liebe Bote sein. Schwebt denn Töne meiner Laute Zu des Liebchens Kämmerlein, Wieget sie in süße Träume ein, Und dann flüstert: »Denke mein du Traute.«

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Illustration zu Serenade

Interpretation

Das Gedicht "Serenade" von Wilhelm Hauff beschreibt die Sehnsucht und die zärtliche Liebe eines Mannes zu seiner Angebeteten. In der ersten Strophe wird die nächtliche Szene eingeleitet, in der der Sprecher zu seiner Liebsten eilt, um zu lauschen, ob sie wach ist. Die Lampe in ihrem Zimmer symbolisiert ihre Anwesenheit und weckt den Wunsch des Sprechers, wie das sanfte Licht um ihre zarten Wangen zu spielen. In der zweiten Strophe vertieft sich die Intensität der Gefühle. Der Sprecher wünscht sich, mit den schönsten Lichtstrahlen um seine Geliebte zu wehen und sie mit himmlischen Farben zu umgeben. Er sehnt sich danach, ihr sanft auf die Augen zu schicken und die Lampe zu löschen, um ihren letzten süßen Blick auf sich zu richten. Der Sprecher ist bereit, sanft an ihrem Hauch zu sterben, was die tiefe Verbundenheit und die Bereitschaft zur Selbstaufgabe für die Geliebte verdeutlicht. Die letzte Strophe zeigt die Realität der Situation. Der Sprecher kann nicht wie das Licht um sie weben, aber er kann ihr seine Lieder als Liebesboten schicken. Die Töne seiner Laute schweben zu ihrem Zimmer und wiegen sie in süße Träume. Mit den letzten Worten des Gedichts, "Denke mein du Traute", bittet er sie, an ihn zu denken, und verabschiedet sich in einer zarten und romantischen Weise. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre der Sehnsucht, der Zärtlichkeit und der unausgesprochenen Liebe.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Mit des Lichtes schönsten Strahlen
Metapher
Und dann flüstert: »Denke mein du Traute.«
Personifikation
Luna wandelt durch die Nacht