Selige Sehnsucht

Johann Wolfgang von Goethe

1814

Sagt es niemand, nur den Weisen, Weil die Menge gleich verhöhnet, Das Lebend′ge will ich preisen, Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung, Die dich zeugte, wo du zeugtest, Ueberfällt die fremde Fühlung Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen In der Finsterniß Beschattung, Und dich reißet neu Verlangen Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig, Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du Schmetterling verbrannt,

Und so lang du das nicht hast, Dieses: Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde.

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Illustration zu Selige Sehnsucht

Interpretation

Das Gedicht "Selige Sehnsucht" von Johann Wolfgang von Goethe thematisiert die Sehnsucht nach dem Göttlichen und der spirituellen Erleuchtung. Es beschreibt die Reise der Seele auf der Suche nach dem höchsten Ziel, dem Eintauchen ins Licht und die Vereinigung mit dem Göttlichen. Die Metapher des Schmetterlings, der sich der Flamme hingibt und dabei verbrennt, symbolisiert die Selbstaufgabe und den Tod als notwendigen Schritt zur Wiedergeburt und Transformation. Im ersten Teil des Gedichts wird die Sehnsucht nach dem Lebendigen und dem Feuer des Lebens betont. Die Seele strebt danach, sich dem Göttlichen hinzugeben und sich in der Flamme zu verzehren. Die Nacht der Liebe und die Zeugung werden als Metapher für die spirituelle Vereinigung und die Geburt neuer Erkenntnisse verwendet. Die "fremde Fühlung" deutet auf die Berührung mit dem Göttlichen hin, die den Suchenden überrascht und erleuchtet. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Transformation und der Aufstieg zur höheren Erkenntnis beschrieben. Die Seele wird von der Dunkelheit befreit und von einem neuen Verlangen getrieben, sich weiterzuentwickeln und zu erneuern. Die Metapher des Schmetterlings, der zur Flamme fliegt und dabei verbrennt, symbolisiert die Bereitschaft, sich dem Göttlichen hinzugeben und im Feuer der Erkenntnis aufzugehen. Die letzte Strophe betont die Notwendigkeit des Todes und der Wiedergeburt als Voraussetzung für die spirituelle Erleuchtung. Nur wer bereit ist, sich auf diesen Prozess einzulassen und sich selbst aufzugeben, kann das höchste Ziel erreichen und ein erfülltes Leben auf der dunklen Erde führen.

Schlüsselwörter

sagt weisen menge gleich verhöhnet lebend will preisen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Keine Ferne macht dich schwierig
Hyperbel
Kommst geflogen und gebannt
Metapher
Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde
Personifikation
Das Lebend′ge will ich preisen