Selbstzucht
1863Mensch, du sollst dich selbst erziehen. Und das wird dir mancher deuten: Mensch, du mußt dir selbst entfliehen. Hüte dich vor diesen Leuten!
Rechne ab mit den Gewalten in dir, um dich. Sie ergeben zweierlei: wirst Du das Leben, wird das Leben dich gestalten?
Mancher hat sich selbst erzogen; hat er auch ein Selbst gezüchtet? Noch hat Keiner Gott erflogen, der vor Gottes Teufeln flüchtet.
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Interpretation
Das Gedicht "Selbstzucht" von Richard Dehmel behandelt das Thema der Selbstdisziplin und Selbstfindung. Dehmel fordert den Menschen auf, sich selbst zu erziehen und zu disziplinieren, anstatt sich von anderen leiten zu lassen. Er warnt jedoch davor, sich selbst zu entfliehen, da dies zu einer Flucht vor den eigenen Dämonen führen kann. In den zweiten beiden Strophen geht Dehmel auf die Konsequenzen der Selbstdisziplin ein. Er betont, dass man die Kräfte in sich und um sich herum anerkennen und bewältigen muss, um das Leben zu gestalten. Dehmel stellt die Frage, ob man das Leben gestaltet oder vom Leben gestaltet wird, was auf die Verantwortung des Einzelnen für sein eigenes Leben hinweist. Abschließend weist Dehmel darauf hin, dass es zwar Menschen gibt, die sich selbst erzogen haben, aber fragt, ob sie auch ein Selbst gezüchtet haben. Er deutet an, dass es niemandem gelungen ist, Gott zu erreichen, indem er vor den "Teufeln" Gottes geflohen ist. Dies könnte bedeuten, dass man die Herausforderungen und Schwierigkeiten im Leben annehmen und bewältigen muss, um spirituelles Wachstum zu erreichen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mensch, du sollst dich selbst erziehen.
- Kontrast
- Rechne ab mit den Gewalten in dir, um dich.
- Metapher
- Mensch, du mußt dir selbst entfliehen.
- Personifikation
- der vor Gottes Teufeln flüchtet.
- Rhetorische Frage
- hat er auch ein Selbst gezüchtet?