Selbsterkennen
unknownAndere willst du ergründen, Eitles, dünkelhaftes Herz! Kannst dich selbst zurecht nicht finden, Mit dem eignen alten Schmerz!
Wie das Uhrwerk wird beweget Von der Unruh’, die drin pickt, Wirst du stets von dem erreget, Was stets weiter von dir rückt.
Wie der Zeiger mit den Stunden, Wandelst du im Kreise fort; Wenn die Zeit ist hingeschwunden, Stehst du an demselben Ort.
Was ich auch erlebt, erfahren, Immer blieb ich doch ein Thor, Werd’ ein Thor mit grauen Haaren, – Solches Loos steht mir bevor!
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Interpretation
Das Gedicht "Selbsterkennen" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von der menschlichen Unfähigkeit, sich selbst zu verstehen und zu erkennen. Der Sprecher kritisiert das eigene Herz als "eitles, dünkelhaftes", das vergeblich versucht, andere zu ergründen, während es selbst nicht in der Lage ist, sich mit seinem "eigenen alten Schmerz" auseinanderzusetzen. In den folgenden Strophen wird diese Unfähigkeit zur Selbsterkenntnis mit dem Bild einer Uhr verglichen. Wie das Uhrwerk von der Unruhe in seinem Inneren angetrieben wird, so wird der Mensch ständig von dem bewegt, was sich immer weiter von ihm entfernt. Der Zeiger wandert im Kreis, und obwohl die Zeit vergeht, bleibt der Mensch am selben Ort stehen. Der Sprecher gesteht schließlich ein, dass er trotz aller Erfahrungen und Erkenntnisse immer noch ein "Tor" geblieben ist. Er sieht seine Zukunft bereits voraus: Er wird ein "Tor mit grauen Haaren" werden. Das Gedicht endet mit der resignierenden Feststellung, dass dieses Schicksal unausweichlich ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Immer blieb ich doch ein Thor, / Werd' ein Thor mit grauen Haaren
- Metapher
- Wie der Zeiger mit den Stunden, / Wandelst du im Kreise fort
- Personifikation
- Wenn die Zeit ist hingeschwunden, / Stehst du an demselben Ort
- Vergleich
- Wie das Uhrwerk wird beweget / Von der Unruh', die drin pickt