Seit ich ihn gesehen

Adelbert von Chamisso

1781

Seit ich ihn gesehen, Glaub ich blind zu sein; Wo ich hin nur blicke, Seh ich ihn allein; Wie im wachen Traume Schwebt sein Bild mir vor, Taucht aus tiefstem Dunkel, Heller nur empor.

Sonst ist licht - und farblos Alles um mich her, Nach der Schwestern Spiele Nicht begehr ich mehr, Möchte lieber weinen, Still im Kämmerlein; Seit ich ihn gesehen, Glaub ich blind zu sein.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Seit ich ihn gesehen

Interpretation

Das Gedicht "Seit ich ihn gesehen" von Adelbert von Chamisso handelt von der tiefen Verliebtheit einer Person, die durch den Anblick einer bestimmten Person eine radikale Veränderung ihrer Wahrnehmung und Gefühlswelt erfährt. Die wiederholte Zeile "Seit ich ihn gesehen, Glaub ich blind zu sein" verdeutlicht, wie überwältigend der Eindruck dieser Person auf den Sprecher ist, sodass alles andere in den Hintergrund tritt. Die Metapher des "wachen Traumes" unterstreicht die unwirkliche, fast traumhafte Qualität der Erinnerung und Vorstellung des Geliebten, der "aus tiefstem Dunkel" aufsteigt und immer heller wird. Diese Bildsprache suggeriert, dass der Geliebte zum Mittelpunkt des Lebens des Sprechers geworden ist, während die Umgebung "licht - und farblos" erscheint. Die Welt verliert an Farbe und Bedeutung, außer der Gegenwart des Geliebten. Die abschließenden Zeilen offenbaren eine melancholische Stimmung: Der Sprecher zieht sich zurück, möchte lieber "still im Kämmerlein" weinen, anstatt sich mit früheren Freuden wie den "Spiele[n] der Schwestern" zu beschäftigen. Diese Isolation und Traurigkeit unterstreichen die Intensität der Gefühle und die damit verbundene Verzweiflung. Das Gedicht porträtiert eindringlich die verzehrende Natur der ersten Liebe und ihre Fähigkeit, die gesamte Wahrnehmung und das emotionale Gleichgewicht zu verändern.

Schlüsselwörter

seit gesehen glaub blind hin blicke seh allein

Wortwolke

Wortwolke zu Seit ich ihn gesehen

Stilmittel

Anapher
Seit ich ihn gesehen
Ausruf
Nicht begehr ich mehr
Hyperbel
Wo ich hin nur blicke, Seh ich ihn allein
Kontrast
Alles um mich her
Metapher
Glaub ich blind zu sein
Personifikation
Taucht aus tiefstem Dunkel, Heller nur empor
Vergleich
Wie im wachen Traume
Wiederholung
Seit ich ihn gesehen, Glaub ich blind zu sein