Seiner Herrin
1810An F. von Schrötter.
Von einer ist mein Herz entzündet, Die läßt mir Tag und Nacht nicht Ruh′; Der hab′ ich ewig mich verkündet, Ihr thu′ ich alles, was ich thu′.
In Schönheit blüht sie, glänzt in Ehren, Wie Gottes wundervolle Braut, Und scheint sich täglich zu verklären, Seit ich an ihren Dienst getraut.
So freundlich hat sie mich geladen, Daß schier mein Herz in Liebe brach, Als wenn die Mutter aller Gnaden In sel′gen Träumen zu mir sprach.
Als Knabe hab′ ich viel vernommen Von ihrer hohen Würdigkeit, Dem Jüngling war ein Ruf gekommen Von ihrer Schmach und Niedrigkeit.
Da ging ich oft in Eichenhainen Zu suchen die versunkne Pracht; Den Fall der Herrin zu beweinen, Zu prüfen meines Armes Macht.
Da betet′ ich, laß mich sie retten, Du, welcher lenkt der Sterne Gang, Mich laß zerbrechen ihre Ketten, Und sterben froh, wenn das gelang.
Nun ist die hohe Zeit gekommen, Der Hölle Rotten sind gedämpft, Und betend knien die Starken, Frommen, Die kühn um solchen Lohn gekämpft.
Muß ich noch immer auf dich warten, Die meine ganze Seele füllt, Mein Ehrenpreis, mein Freudengarten, Du aller Himmel schönstes Bild?
Was hältst du länger dich verborgen, O süßes wundersames Licht? Die Treuen stehn in bangen Sorgen, Entzeuch dich ihnen länger nicht.
O tritt hervor in deiner Schöne, Von heil′gem Eichenzweig umlaubt, Daß dich die Hand des Volkes kröne, Das immerdar an dich geglaubt.
Ein Leuchten ist′s aus großen Tagen, Das dich, du Herrliche, umwallt, Wie Zauber schwebt′s von alten Sagen Um deine selige Gestalt.
Wer dich nur schauet, muß entbrennen In Liebesglut und Andacht gleich; So laß mich deinen Namen nennen:
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Interpretation
Das Gedicht "Seiner Herrin" von Max von Schenkendorf ist ein patriotisches Werk, das die Sehnsucht des Dichters nach der Befreiung Deutschlands von der französischen Fremdherrschaft ausdrückt. Die "Herrin" im Gedicht symbolisiert das befreite Deutschland, das nach der Niederlage Napoleons wieder zu seiner alten Größe und Schönheit zurückkehren soll. Der Dichter beschreibt seine tiefe Verbundenheit und Liebe zu seiner Heimat und seinen unerschütterlichen Glauben an ihre Wiederauferstehung. Das Gedicht ist in vier Strophen gegliedert, die jeweils einen bestimmten Aspekt der Beziehung des Dichters zu seiner "Herrin" beleuchten. In der ersten Strophe wird die leidenschaftliche Hingabe des Dichters an seine Heimat dargestellt, die ihm Tag und Nacht keine Ruhe lässt. Die zweite Strophe preist die Schönheit und Ehre des befreiten Deutschlands, das sich seit der "Trauung" des Dichters mit dem Dienst an der Heimat täglich zu verklären scheint. Die dritte Strophe erinnert an die Kindheit und Jugend des Dichters, in der er von der hohen Würde und der Schmach seiner Heimat erfuhr und sich in Eichenhainen auf die Suche nach ihrer versunkenen Pracht machte. Die vierte Strophe beschreibt die Hoffnung des Dichters auf die baldige Rückkehr der "Herrin" in ihrer vollen Pracht und Herrlichkeit, um vom Volk gekrönt und verehrt zu werden. Das Gedicht zeichnet sich durch eine starke emotionale Intensität und eine bildhafte Sprache aus, die die tiefe Verbundenheit des Dichters mit seiner Heimat und seine patriotische Gesinnung zum Ausdruck bringen. Die Verwendung von Metaphern und Symbolen, wie der "Herrin", dem "Eichenzweig" und dem "Leuchten aus großen Tagen", verleiht dem Gedicht eine zusätzliche Tiefe und Bedeutungsebene. Insgesamt ist "Seiner Herrin" ein eindrucksvolles Beispiel für die patriotische Lyrik der Befreiungskriege und ein Zeugnis der Begeisterung und des Opfermuts, die diese Zeit prägten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Von ihrer hohen Würdigkeit
- Bildsprache
- In Liebesglut und Andacht gleich
- Hyperbel
- Mein Ehrenpreis, mein Freudengarten
- Metapher
- Du aller Himmel schönstes Bild
- Personifikation
- Die kühn um solchen Lohn gekämpft
- Symbolik
- Die Herrin
- Vergleich
- Wie Zauber schwebt's von alten Sagen