Sei mir tausendmal gegrüßet
1676Sei mir tausendmal gegrüßet, der mich je und je geliebt, Jesus, der du selbst gebüßet das, womit ich dich betrübt; ach, wie ist mir doch so wohl, wenn ich knien und liegen soll an dem Kreuze, da du stirbest und um meine Seele wirbest.
Heile mich, o Heil der Seelen, der ich krank und traurig bin; nimm die Schmerzen, die mich quälen, und den ganzen Schaden hin, den mir Adams Fall gebracht, und ich selber mir gemacht; wird, o Arzt, dein Blut mich netzen, wird sich all mein Jammer setzen.
Schreibe deine blutgen Wunden mir, Herr, in das Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen sein; du bist doch mein schönstes Gut, da mein ganzes Herze ruht. Laß mich hier zu deinen Füßen deiner Lieb und Gunst genießen.
Diese Füße will ich halten, Herr, so fest ich immer kann. Schau, o schau mein Händefalten und mich selber freundlich an von des hohen Kreuzes Baum und gib meiner Bitte Raum, sprich: Laß all dein Trauern schwinden; ich, ich tilg all deine Sünden.
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Interpretation
Das Gedicht "Sei mir tausendmal gegrüßet" von Paul Gerhardt ist ein tief empfundenes geistliches Lied, das die Liebe und Dankbarkeit des lyrischen Ichs gegenüber Jesus Christus zum Ausdruck bringt. Die Verse zeigen eine starke emotionale Verbundenheit und eine tiefe Anerkennung der Erlösungstat Christi. Im ersten Teil des Gedichts richtet sich das lyrische Ich direkt an Jesus, der es "tausendmal gegrüßt" und stets geliebt hat. Es betont die eigene Demut und Dankbarkeit für das Opfer, das Jesus am Kreuz gebracht hat. Das Bild des Kniefalls und Liegens am Kreuz symbolisiert die Unterwerfung und Anerkennung der eigenen Schuld, während Jesus um die Seele des lyrischen Ichs wirbt. Der zweite Teil des Gedichts bittet Jesus um Heilung und Erlösung von Schmerzen und Schäden, die durch den Sündenfall Adams und eigene Schuld entstanden sind. Das lyrische Ich bezeichnet Jesus als "Heil der Seelen" und "Arzt", der durch sein Blut die Heilung und das Ende allen Jammers bewirken kann. Die Bitte um die Schreibung der blutigen Wunden Jesu ins Herz des lyrischen Ichs unterstreicht den Wunsch nach ständiger Erinnerung an das Opfer Christi. Im letzten Teil des Gedichts bekundet das lyrische Ich seine feste Absicht, an den Füßen Jesu zu halten und flehend um seine Gunst zu bitten. Die Bitte um das Auslöschen aller Sünden und das Verschwinden allen Trauerns zeigt die tiefe Sehnsucht nach Erlösung und innerem Frieden. Das Gedicht schließt mit der Zuversicht, dass Jesus die Bitte erhören und dem lyrischen Ich die Vergebung und Gnade gewähren wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Sei mir tausendmal gegrüßet, der mich je und je geliebt
- Bildsprache
- von des hohen Kreuzes Baum
- Hyperbel
- du bist doch mein schönstes Gut
- Metapher
- Diese Füße will ich halten, Herr, so fest ich immer kann
- Personifikation
- daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen sein