Sei mir gegrüßt, du große

Heinrich Heine

1797

Sei mir gegrüßt, du große, Geheimnisvolle Stadt, Die einst in ihrem Schoße Mein Liebchen umschlossen hat.

Sagt an, ihr Türme und Tore, Wo ist die Liebste mein? Euch hab ich sie anvertrauet, Ihr solltet mir Bürge sein.

Unschuldig sind die Türme, Sie konnten nicht von der Stell′, Als Liebchen mit Koffern und Schachteln Die Stadt verlassen so schnell.

Die Tore jedoch, die ließen Mein Liebchen entwischen gar still; Ein Tor ist immer willig, Wenn eine Törin will.

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Illustration zu Sei mir gegrüßt, du große

Interpretation

Das Gedicht "Sei mir gegrüßt, du große, Geheimnisvolle Stadt" von Heinrich Heine ist ein melancholisches Liebesgedicht, das die Sehnsucht und das Verlangen des lyrischen Ichs nach seiner verlorenen Geliebten zum Ausdruck bringt. Die Stadt, in der das Liebchen einst gelebt hat, wird als mysteriös und faszinierend beschrieben, und das lyrische Ich sehnt sich danach, sie wiederzusehen und mit ihr zusammen zu sein. Das lyrische Ich wendet sich an die Türme und Tore der Stadt und fragt sie nach dem Verbleib seiner Geliebten. Es hat sie ihnen anvertraut und erwartet, dass sie ihm Auskunft geben. Die Türme werden als unschuldig dargestellt, da sie nicht in der Lage waren, den schnellen Abgang des Liebchens zu verhindern. Die Tore hingegen werden als willfährig beschrieben, da sie der Liebsten den Weg aus der Stadt ermöglicht haben. Das Gedicht endet mit einem ironischen Kommentar über die Tore, die immer bereit sind, einer "Törin" den Weg zu ebnen. Dies deutet darauf hin, dass das lyrische Ich die Liebste für naiv oder leichtsinnig hält, da sie die Stadt ohne Abschied verlassen hat. Die Ironie verstärkt die Melancholie des Gedichts und unterstreicht das Gefühl des Verlusts und der Verlassenheit des lyrischen Ichs.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Stadt verlassen so schnell
Anapher
Sei mir gegrüßt, du große, Geheimnisvolle Stadt
Frage
Sagt an, ihr Türme und Tore, Wo ist die Liebste mein?
Ironie
Ein Tor ist immer willig, Wenn eine Törin will
Kontrast
Unschuldig sind die Türme, Sie konnten nicht von der Stell′
Metapher
Ihr solltet mir Bürge sein
Personifikation
Die einst in ihrem Schoße Mein Liebchen umschlossen hat