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Sei mir gegrüßt, du große

Von

Sei mir gegrüßt, du große,
Geheimnisvolle Stadt,
Die einst in ihrem Schoße
Mein Liebchen umschlossen hat.

Sagt an, ihr Türme und Tore,
Wo ist die Liebste mein?
Euch hab ich sie anvertrauet,
Ihr solltet mir Bürge sein.

Unschuldig sind die Türme,
Sie konnten nicht von der Stell′,
Als Liebchen mit Koffern und Schachteln
Die Stadt verlassen so schnell.

Die Tore jedoch, die ließen
Mein Liebchen entwischen gar still;
Ein Tor ist immer willig,
Wenn eine Törin will.

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Gedicht: Sei mir gegrüßt, du große von Heinrich Heine

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Sei mir gegrüßt, du große“ von Heinrich Heine ist eine melancholische Liebeserklärung, die in der Form eines Dialogs mit einer Stadt gehalten ist. Es offenbart die Trauer des lyrischen Ichs über den Verlust der geliebten Person, die einst in dieser Stadt wohnte und nun verschwunden ist. Die Stadt wird personifiziert und dient als stummer Zeuge und potentieller Hüter der Geliebten.

Die ersten beiden Strophen etablieren die Beziehung des Sprechers zur Stadt und seiner verlorenen Liebe. Die Anrede „Sei mir gegrüßt“ drückt eine Mischung aus Verehrung und Verzweiflung aus. Die Stadt, die als „große, geheimnisvolle“ beschrieben wird, war einst der Ort, an dem die Liebe ihren Ursprung hatte und die Geliebte beschützt wurde. Die Frage nach dem Verbleib der Liebsten, gerichtet an die Türme und Tore, unterstreicht die Hilflosigkeit und das Verlorenheitsgefühl des Sprechers. Er gibt der Stadt die Schuld für den Verlust, obwohl er gleichzeitig weiß, dass die Stadt selbst keine Schuld trägt.

Die dritte Strophe relativiert die Anklage. Die Türme, als unschuldige Zeugen, werden entlastet, da sie nicht in der Lage waren, die Liebste am Verlassen der Stadt zu hindern. Diese Erkenntnis verstärkt die Trauer und das Gefühl des Verlusts noch mehr, da der Sprecher sich der unaufhaltsamen Natur des Abschieds bewusst wird. Die Geliebte scheint eigenständig und unaufhaltsam die Stadt verlassen zu haben.

Die abschließende vierte Strophe enthüllt die eigentliche Ursache für den Verlust. Die Tore, als Metapher für die Zugänglichkeit und Nachgiebigkeit, werden als schuldig befunden, da sie das Entweichen der Liebsten ermöglichten. Der letzte Vers, „Ein Tor ist immer willig, / Wenn eine Törin will,“ deutet auf die Eigenwilligkeit der Frau hin, die letztlich selbstbestimmt die Stadt verlassen hat. Die Wortspiele und der ironische Unterton lassen die Komplexität der Emotionen des Sprechers erkennen, der zwischen Trauer, Zorn und vielleicht auch ein wenig Verständnis für die Entscheidung der Geliebten schwankt. Die Geschichte deutet an, dass die Liebe durch eigene Entscheidungen oder durch externe Umstände beendet werden kann.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.