Sei einsam, treibt dich dein Gemüth
1880Sei einsam, treibt dich dein Gemüth Dich selber zu bezwingen! Sei einsam, wenn dein Herz erglüht Ein höchstes zu vollbringen!
Doch einsam fliehn aus der argen Welt Weil du dich dünkst gerechter, Nur deinem lieben Selbst gesellt, Das macht dich alle Tag schlechter.
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Interpretation
Das Gedicht "Sei einsam, treibt dich dein Gemüth" von Otto Roquette handelt von der ambivalenten Natur der Einsamkeit und ihrer Auswirkungen auf den Menschen. Es ermutigt dazu, sich in bestimmten Situationen in die Einsamkeit zurückzuziehen, um sich selbst zu besiegen und höchste Ziele zu erreichen. Allerdings warnt es auch davor, aus falschem Stolz oder Selbstgerechtigkeit die Einsamkeit zu suchen und sich nur sich selbst zuzuwenden. Denn dadurch verschlechtert man sich jeden Tag. Das Gedicht besteht aus zwei Strophen mit jeweils vier Versen. Die erste Strophe beginnt mit der Aufforderung "Sei einsam", die sich auf zwei verschiedene Situationen bezieht: zum einen, wenn das Gemüt einen dazu treibt, sich selbst zu bezwingen, zum anderen, wenn das Herz glüht und ein höchstes Ziel vollbracht werden soll. In beiden Fällen wird die Einsamkeit als ein Mittel zur Selbstüberwindung und zur Erreichung eines edlen Zwecks dargestellt. Die Einsamkeit wird als eine positive Kraft dargestellt, die einem hilft, sich selbst zu besiegen und seine Ziele zu erreichen. Die zweite Strophe beginnt ebenfalls mit der Aufforderung "Sei einsam", aber sie warnt vor einer negativen Form der Einsamkeit. Sie bezieht sich auf diejenigen, die aus der argen Welt fliehen, weil sie sich gerechter dünken als andere. Sie fliehen in die Einsamkeit, um sich nur ihrem lieben Selbst zuzuwenden. Das Gedicht verurteilt diese Form der Einsamkeit als selbstsüchtig und selbstgerecht. Es warnt davor, dass man dadurch jeden Tag schlechter wird. Das Gedicht fordert also dazu auf, die Einsamkeit in Maßen und mit dem richtigen Motiv zu suchen. Es warnt davor, die Einsamkeit als einen Ausweg aus den Problemen der Welt zu sehen oder als eine Möglichkeit, sich selbst zu verherrlichen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sei einsam, treibt dich dein Gemüth
- Anapher
- Sei einsam
- Kontrast
- Sei einsam, treibt dich dein Gemüth / Dich selber zu bezwingen!
- Metapher
- treibt dich dein Gemüth
- Parallelismus
- Sei einsam, wenn dein Herz erglüht / Ein höchstes zu vollbringen!