Sehnsucht nach der Waldgegend
1826Wär′ ich nie aus euch gegangen, Wälder, hehr und wunderbar! Hieltet liebend mich umfangen Doch so lange, lange Jahr′.
Wo in euren Dämmerungen Vogelsang und Silberquell, Ist auch manches Lied entsprungen Meinem Busen, frisch und hell.
Euer Wogen, euer Hallen, Euer Säuseln nimmer müd′, Eure Melodien alle Weckten in der Brust das Lied.
Hier in diesen weiten Triften Ist mir alles öd′ und stumm, Und ich schau′ in blauen Lüften Mich nach Wolkenbildern um
Wenn ihr′s in den Busen zwinget, Regt sich selten nur das Lied: Wie der Vogel halb nur singet, Den von Baum und Blatt man schied.
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Interpretation
Das Gedicht "Sehnsucht nach der Waldgegend" von Justinus Kerner ist ein lyrisches Werk, das die tiefe Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der Natur, insbesondere nach den Wäldern, ausdrückt. Der Sprecher bedauert, jemals die Wälder verlassen zu haben, und sehnt sich danach, von ihnen für immer umfangen zu werden. Die Wälder werden als ehrwürdig und wunderbar beschrieben, und der Sprecher erinnert sich an die inspirierenden Momente, die er dort erlebt hat. Das Gedicht beschreibt, wie die Natur den Sprecher inspiriert hat. Die Dämmerungen, der Vogelsang und die silbernen Quellen der Wälder haben viele Lieder in der Brust des Sprechers entstehen lassen. Das Wogen, Hallen und Säuseln der Natur hat das Lied in der Brust des Sprechers geweckt. Diese Naturklänge und -bilder werden als Melodien beschrieben, die das Lied in der Brust des Sprechers zum Leben erwecken. Das Gedicht endet mit einer Klage über die gegenwärtige Situation des Sprechers. Er befindet sich an einem Ort, der ihm öde und stumm erscheint, und er sucht nach Inspiration in den Wolkenbildern am Himmel. Der Sprecher stellt fest, dass er, wenn er versucht, ein Lied zu erzwingen, selten erfolgreich ist. Er vergleicht sich mit einem Vogel, der nur halb singt, wenn er von Baum und Blatt getrennt wird. Dieses Bild verdeutlicht die tiefe Verbundenheit des Sprechers mit der Natur und seine Unfähigkeit, sich vollständig von ihr zu lösen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wär' ich nie aus euch gegangen, Wälder, hehr und wunderbar! Hieltet liebend mich umfangen Doch so lange, lange Jahr'.
- Metapher
- Wo in euren Dämmerungen Vogelsang und Silberquell
- Personifikation
- Euer Wogen, euer Hallen, Euer Säuseln nimmer müd'
- Vergleich
- Wie der Vogel halb nur singet, Den von Baum und Blatt man schied.