Sehnsucht

Kathinka Zitz-Halein

1877

Jede Hoffnung hat mich stets betrogen, Keinen Anspruch hab’ ich auf das Glück! Schrecklich haben Menschen mich belogen, Freundschaft stieß mein sehnend Herz zurück. O was that, was hab’ ich denn begangen, Schlägt mein Herz nicht rein in dieser Brust? Färbte Reue jemals diese Wangen, Bin ich mir denn einer Schuld bewußt?

Nein, der Unschuld heilige Ägide Schützte meines Lebens Blüthenzeit, Und doch wird das Schicksal nimmer müde, Spendet immerdar mir Harm und Leid. Einst wies mir die Hoffnung Blumenpfade, Zeigte lächelnd mir Elisium. Aber ach! das lachende Gestade Wandelt sich zur öden Wildniß um.

Dort hinauf, wo jene Sterne glänzen, Sehnet sich mein wundgeschlag’nes Herz, Dort, wo Engel mir die Locken kränzen, Dort versinkt im Lethestrom mein Schmerz. Ja! uns ist ein bess’res Seyn beschieden, Dieß ist nur der herben Prüfung Land - Unsrer harrt ein ew’ger Götterfrieden, Kehren einst wir in des Vaters Hand.

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Illustration zu Sehnsucht

Interpretation

Das Gedicht "Sehnsucht" von Kathinka Zitz-Halein handelt von tiefem Schmerz und Enttäuschung im Leben, gepaart mit der Hoffnung auf Erlösung im Jenseits. Die lyrische Ich-Figur fühlt sich von der Welt betrogen und allein gelassen, obwohl sie sich unschuldig und rein fühlt. Sie sehnt sich danach, dem Leid zu entfliehen und in den Himmel aufzusteigen, wo sie ewigen Frieden und Glück finden wird. Das Gedicht zeichnet ein Bild von der Vergänglichkeit des Lebens und der Sehnsucht nach einem besseren Sein jenseits des Todes. Das Gedicht beginnt mit einer klaren Aussage der Enttäuschung und des Schmerzes. Die lyrische Ich-Figur fühlt sich von der Welt betrogen und allein gelassen, obwohl sie sich unschuldig und rein fühlt. Sie fragt sich, was sie getan hat, um dieses Leid zu verdienen, und kommt zu dem Schluss, dass sie unschuldig ist. Trotzdem wird sie immer wieder von Schicksalsschlägen heimgesucht und findet keinen Frieden. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich die lyrische Ich-Figur dem Himmel zu. Sie sehnt sich danach, dem Leid zu entfliehen und in den Himmel aufzusteigen, wo sie ewigen Frieden und Glück finden wird. Sie imaginiert, wie Engel ihr die Haare kränzen und ihr Schmerz im "Lethestrom" versinkt. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod, in dem die lyrische Ich-Figur ewigen Frieden und Glück finden wird.

Schlüsselwörter

herz hoffnung hab einst jede stets betrogen keinen

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Stilmittel

Kontrast
Einst wies mir die Hoffnung Blumenpfade, Zeigte lächelnd mir Elisium. Aber ach! das lachende Gestade Wandelt sich zur öden Wildniß um.
Metapher
die herben Prüfung Land
Personifikation
Freundschaft stieß mein sehnend Herz zurück
Rhetorische Frage
O was that, was hab' ich denn begangen, Schlägt mein Herz nicht rein in dieser Brust?
Symbolik
wo Engel mir die Locken kränzen