Sehnsucht

Karl Kraus

1920

Es war einmal. Ich leb′ am Tage vom Gedanken, nachts von der Qual; oft träum′ ich nur vom Traum. Du gehst dahin und bist dir selbst es kaum. Im meinem Wahn jedoch, dem fieberkranken, sind deine Wesen ohne Zahl.

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Illustration zu Sehnsucht

Interpretation

Das Gedicht "Sehnsucht" von Karl Kraus beschreibt die unerfüllte Liebe des lyrischen Ichs zu einer Person, die es kaum kennt oder erreichen kann. Das Gedicht beginnt mit der Konjunktion "Es war einmal", die auf eine vergangene oder fiktive Situation hindeutet. Das lyrische Ich lebt vom Gedanken an die geliebte Person, der es tagsüber tröstet und nachts quält. Es träumt nur vom Traum, also von einer idealisierten Vorstellung von der Liebe, die nicht der Realität entspricht. Die geliebte Person geht dahin und ist sich selbst kaum bewusst, was ihre Gleichgültigkeit oder Unerreichbarkeit ausdrückt. Das Gedicht endet mit einem Kontrast zwischen dem Wahn des lyrischen Ichs und der Wirklichkeit der geliebten Person. Das lyrische Ich leidet unter einem fieberkranken Wahn, der es dazu bringt, die geliebte Person in unzähligen Wesen zu sehen. Das bedeutet, dass das lyrische Ich die geliebte Person idealisiert und verklärt, und ihr Eigenschaften zuschreibt, die sie nicht hat oder die es nicht weiß. Das Gedicht zeigt die Diskrepanz zwischen der Sehnsucht und der Wirklichkeit, und die Gefahr, sich in einer Illusion zu verlieren.

Schlüsselwörter

einmal leb tage gedanken nachts qual oft träum

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Stilmittel

Anapher
Es war einmal.
Hyperbel
sind deine Wesen ohne Zahl
Metapher
dem fieberkranken
Paradox
oft träum′ ich nur vom Traum
Personifikation
Du gehst dahin und bist dir selbst es kaum