Sehnsucht

Johanna Sophie Dorothea Albrecht

unbekannt

Entfernter Freund! Um den auf immer Im stillen Zimmer Mein Auge weint; Dann, wenn die Sterne Am Himmel blinken, Und Liebe winken, Denk ich der Ferne In der du, ach! Jetzt um mich leidest, Und Freuden meidest, Mit Thränen nach. Und wenn mein Freund Im Stralenkleide, Zu meinem Leide Mitleidig scheint;

Da werf ich mich, Mit stummen Sehnen Und tausend Thränen - O! sähst du mich! An jene Flüsse Zur Erde nieder, Die unsre Lieder Und unsere Küsse Beym Sternenschein So oft belauschten, und sanfter rauschten Durch diesen Hayn - Ach! keine Lieder Und keine Küsse, Ihr - Hayn - und Flüsse! Belauscht ihr wieder - Und denk an dich, An jene Zeiten, So voller Freuden Für mich und dich;

Dann ruf ich dich Durch alle Wälder, Durch Thal und Felder Als hört′st du mich. Und wüst und schaurig Ist Hayn - und Trifte, Wie Todtengrüfte, So bang und traurig. O! Mond und Sterne, Blickt tausend Küsse Und tausend Grüsse Dem in der Ferne, Ihr könnt′ ihn finden! So ruf und weine Ich oft alleine In öden Gründen. So lächelt dir Der Mond oft Küsse So traurig süsse Mein Freund von mir.

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Illustration zu Sehnsucht

Interpretation

Das Gedicht "Sehnsucht" von Johanna Sophie Dorothea Albrecht handelt von der tiefen Sehnsucht einer Person nach einem entfernten Freund. Die Autorin beschreibt, wie sie im stillen Zimmer um diesen Freund weint und an ihn denkt, wenn die Sterne am Himmel funkeln und die Liebe winkt. Sie imaginiert, dass ihr Freund in der Ferne leidet und Freuden meidet, während er mit Tränen nach ihr schaut. In der zweiten Strophe geht es um die Vorstellung des Autors, wie ihr Freund im Strahlenkleid zu ihrem Leid Mitleid zu haben scheint. Sie wirft sich mit stummen Sehnen und tausend Tränen an die Flüsse und bittet sie, sie anzuschauen. Die Flüsse und der Hain erinnern sie an die Lieder und Küsse, die sie oft bei Sternenschein belauschten und die sanft durch den Hain rauschten. Sie bittet die Flüsse und den Hain, sie wieder zu belauschen und an sie zu denken, an die Zeiten, die so voller Freude für sie beide waren. In der letzten Strophe ruft die Autorin ihren Freund durch alle Wälder und Täler, als ob er sie hören könnte. Sie beschreibt, wie wüst und schaurig der Hain und die Triften sind, wie Totengräber, so bang und traurig. Sie bittet den Mond und die Sterne, tausend Küsse und tausend Grüße dem Freund in der Ferne zu senden und ihn zu finden. Die Autorin ruft und weint oft allein in öden Gründen und lächelt ihrem Freund traurig süße Küsse vom Mond zu.

Schlüsselwörter

küsse freund tausend oft hayn sterne denk ferne

Wortwolke

Wortwolke zu Sehnsucht

Stilmittel

Alliteration
Stummen Sehnen
Apostrophe
O! Mond und Sterne
Hyperbel
tausend Küsse
Personifikation
Um den auf immer Im stillen Zimmer Mein Auge weint
Wiederholung
So ruf und weine Ich oft alleine