Sehnsucht
1800Was hab′ ich, gutes Mädchen! Als jenes kleine Feld Um dein geliebtes Städtchen, Mir eine ganze Welt? Der andern acht′ ich wenig; Da traur′ ich, wie verbannt! Dein König ist mein König, Dein Land mein Vaterland.
Die ersten grünen Haine Sind dort, wo Liebchen geht; Die Luft ist erst die meine, Die sich um sie gedreht. O, wann begrüß′ ich wieder Dein Städtchen, meine Welt, Und höre Lerchen-Lieder Auf deinem kleinen Feld,
Und sehe Morgen-Schimmer Bey dir, und hellen Tag? O denke nur, daß immer, In jedem Glocken-Schlag, Des Wiedersehns Minute Durch meine Seele schallt, Weil, ach! in deinem Blute Mein eignes Leben wallt!
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Interpretation
Das Gedicht "Sehnsucht" von Johann Georg Jacobi beschreibt die tiefe emotionale Verbundenheit des lyrischen Ichs mit einem Mädchen und dessen Heimatstadt. Der Sprecher vergleicht das kleine Feld um das Mädchenstädtchen mit einer ganzen Welt und drückt aus, dass ihm nichts anderes mehr wichtig ist. Die Trennung von diesem Ort wird als Verbannung empfunden, wobei der König des Mädchens und dessen Land zu den eigenen werden. Die Sehnsucht des lyrischen Ichs wird weiterhin durch die Beschreibung der Natur und der Atmosphäre um das Mädchen herum verdeutlicht. Die grünen Haine und die Luft, die sich um das Liebchen dreht, werden als die eigenen wahrgenommen. Der Sprecher sehnt sich danach, das Städtchen wiederzusehen, die Lerchenlieder auf dem kleinen Feld zu hören und den Morgen-Schimmer und den hellen Tag an der Seite des Mädchens zu erleben. Die letzte Strophe verdeutlicht die Intensität der Sehnsucht und die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs mit dem Mädchen. Jeder Glockenschlag erinnert den Sprecher an die Minute des Wiedersehens, die durch seine Seele hallt. Das Blut des Mädchens wird als das eigene Leben beschrieben, was die tiefe emotionale Bindung und die Sehnsucht nach der Vereinigung unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Was hab′ ich, gutes Mädchen! / Als jenes kleine Feld
- Metapher
- Mein eignes Leben wallt
- Personifikation
- Die Luft ist erst die meine, / Die sich um sie gedreht
- Rhetorische Frage
- O, wann begrüß′ ich wieder / Dein Städtchen, meine Welt