Sehnsucht

Felix Dörmann

unbekannt

Ich sehne mich nach einer Traumgestalt, Nach einem unberührten, keuschen Wesen, Das noch im Buch der Sünde nicht gelesen, Das Wollust nicht einmal im Geist umkrallt.

In ihrer Seele müßte Mitleid wohnen Mit jedem Menschen und mit jedem Tier, Am allermeisten aber doch mit mir, In dem das Elend und die Marter thronen.

Und wie vom übervollen Weinpokal Die goldnen Fluten achtlos niederschießen, Müßt′ ihre Himmelsreinheit mich umfließen Und tilgen meiner Seele Sündenqual.

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Illustration zu Sehnsucht

Interpretation

Das Gedicht "Sehnsucht" von Felix Dörmann thematisiert die tiefe Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer idealisierten, reinen und keuschen Frau. Diese Traumgestalt wird als unberührt und unschuldig beschrieben, die noch nicht den "Buch der Sünde" gelesen hat und deren Seele frei von Wollust ist. Das lyrische Ich sehnt sich nach einer Frau, die Mitleid mit allen Lebewesen hat, besonders aber mit dem lyrischen Ich selbst, das von Elend und Marter geplagt wird. Die Sehnsucht des lyrischen Ichs wird weiterhin durch das Bild des übervollen Weinkelches verdeutlicht. Die "goldnen Fluten" des Weins, die achtlos niederschießen, symbolisieren die Reinheit und Unschuld der Traumgestalt, die das lyrische Ich umfließen und dessen Sündenqual tilgen soll. Die Verwendung des Weins als Symbol für Reinheit und Erlösung ist ungewöhnlich, da Wein oft mit Ausschweifung und Sünde assoziiert wird. Insgesamt drückt das Gedicht eine tiefe Sehnsucht nach einer idealisierten Frau aus, die das lyrische Ich von seinen Sünden und Qualen befreien soll. Die Verwendung von religiösen und mythologischen Bildern wie dem Weinkelch und der Reinheit der Seele verstärkt die spirituelle und transzendente Natur dieser Sehnsucht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Am allermeisten aber doch mit mir, In dem das Elend und die Marter thronen
Personifikation
Müßt′ ihre Himmelsreinheit mich umfließen
Vergleich
Und wie vom übervollen Weinpokal Die goldnen Fluten achtlos niederschießen