Segen der Natur
1862Es giebt so stille Feierstunden Der Seele, wo sie Alles trägt, Wo sie trotz allen ihren Wunden Des Friedens Athem nur bewegt.
Wie blieb er lange mir so ferne, Der Ruhe stiller Zauberkreis, Wo, gleich dem wandellosen Sterne, Man nichts von Schmerz und Sehnsucht weiß.
Natur, mit deinem milden Segen, Du bist′s, die mich so sanft umfängt! Die heute mir auf allen Wegen Nur Lebensmuth entgegen drängt.
Es rauscht der Bach zu meinen Füßen Mir Ruhe! Ruhe! leis′ in′s Ohr; Die blauen Berge freundlich grüßen, Die Bäume flüstern süßen Chor.
Und wie die Sonne strahlend lächelt, Auf jedem Blatt sich glänzend bricht, Scheint sie von heitrer Lust umfächelt, Wie hold ein Kinderangesicht. -
O bleibe fest in meinem Herzen, Moment - vom Grame unentweiht; Sei mir ein Schild für alle Schmerzen, Ein Balsam jedem ferner′n Leid!
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Interpretation
Das Gedicht "Segen der Natur" von Luise Büchner beschreibt die heilende und tröstende Kraft der Natur. Die Dichterin betont, dass es in der Seele stille Feierstunden gibt, in denen sie trotz aller Wunden nur vom Frieden bewegt wird. Die Natur wird als Quelle des Segens und der Ruhe dargestellt, die den Menschen sanft umfängt und Lebensmut schenkt. In der zweiten Strophe reflektiert die Autorin über die lange Abwesenheit dieses Friedens und dieser Ruhe in ihrem Leben. Sie vergleicht den Zustand der Gelassenheit mit einem "wandelnden Stern", bei dem man nichts von Schmerz und Sehnsucht weiß. Die Natur wird als Wegbereiterin dieses Zustands dargestellt, die den Menschen auf allen Wegen nur Lebensmut entgegenbringt. Die dritte und vierte Strophe beschreiben die konkreten Naturerlebnisse, die diesen Frieden und diese Ruhe vermitteln. Der rauschende Bach, die blauen Berge, die flüsternden Bäume und die strahlende Sonne werden als Symbole der Harmonie und Schönheit der Natur dargestellt. Die Sonne wird dabei mit einem lächelnden Kinderantlitz verglichen, was die Unschuld und Reinheit dieser Naturerlebnisse unterstreicht. Im letzten Vers drückt die Dichterin den Wunsch aus, dass dieser Moment des Friedens und der Unbeschwertheit fest in ihrem Herzen verankert bleibt. Sie bittet die Natur, ein Schild gegen alle Schmerzen und ein Balsam für jedes ferne Leid zu sein. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass die Natur als Quelle des Trostes und der Heilung immer präsent sein möge.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Das heut' mir auf allen Wegen Nur Lebensmuth entgegen drängt
- Anapher
- Ruhe! Ruhe! leis' in's Ohr
- Apostrophe
- O bleibe fest in meinem Herzen
- Bildsprache
- Es rauscht der Bach zu meinen Füßen
- Hyperbel
- Wie hold ein Kinderangesicht
- Kontrast
- Wo sie trotz allen ihren Wunden Des Friedens Athem nur bewegt
- Metapher
- Der Ruhe stiller Zauberkreis
- Personifikation
- Natur, mit deinem milden Segen, Du bist's, die mich so sanft umfängt!
- Symbolik
- Die blauen Berge freundlich grüßen, Die Bäume flüstern süßen Chor
- Vergleich
- Wo, gleich dem wandellosen Sterne, Man nichts von Schmerz und Sehnsucht weiß