Seemorgen
1832Der Morgen frisch, die Winde gut, Die Sonne glüht so helle, Und brausend geht es durch die Flut; Wie wandern wir so schnelle!
Die Wogen stürzen sich heran; Doch wie sie auch sich bäumen, Dem Schiff sich werfend in die Bahn, In toller Mühe schäumen:
Das Schiff voll froher Wanderlust Zieht fort unaufzuhalten, Und mächtig wird von seiner Brust Der Wogendrang gespalten;
Gewirkt von goldner Strahlenhand Aus dem Gesprüh der Wogen, Kommt ihm zur Seit ein Irisband Hellflatternd nachgeflogen.
So weit nach Land mein Auge schweift, Seh ich die Flut sich dehnen, Die uferlose; mich ergreift Ein ungeduldig Sehnen.
Daß ich so lang euch meiden muß, Berg, Wiese, Laub und Blüte! - Da lächelt seinen Morgengruß Ein Kind aus der Kajüte.
Wo fremd die Luft, das Himmelslicht, Im kalten Wogenlärme, Wie wohl tut Menschenangesicht Mit seiner stillen Wärme!
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Interpretation
Das Gedicht "Seemorgen" von Nikolaus Lenau beschreibt die Erfahrung eines Morgens auf See. Die Stimmung ist von frischem Wind, glühender Sonne und dem Brausen der Flut geprägt. Das Schiff bewegt sich schnell durch die Wellen, die sich ihm entgegenwerfen, aber es zieht unaufhaltsam voran, die Wellen werden von seiner Kraft geteilt. Ein farbenprächtiger Regenbogen entsteht aus dem Sprühnebel der Wogen. Der Blick des Erzählers schweift weit über das weite, uferlose Meer und erfasst eine Sehnsucht nach Land, nach Bergen, Wiesen, Blättern und Blüten. Diese Sehnsucht wird durch das Lächeln eines Kindes aus der Kajüte unterbrochen. In der fremden, kalten und lauten Umgebung der See tut das menschliche Gesicht mit seiner stillen Wärme besonders gut. Das Gedicht vermittelt die Faszination und Schönheit der Seefahrt, aber auch das Gefühl der Einsamkeit und Sehnsucht nach der vertrauten Welt an Land. Die Naturgewalten werden als mächtig und unberechenbar dargestellt, das Schiff als tapferer Wanderer. Der Regenbogen als Symbol der Hoffnung und Schönheit inmitten der wilden Elemente. Das Lächeln des Kindes als wärmende menschliche Zuflucht in der fremden Umgebung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- voll froher Wanderlust
- Bildsprache
- Aus dem Gesprüh der Wogen
- Enjambement
- Daß ich so lang euch meiden muß, Berg, Wiese, Laub und Blüte!
- Hyperbel
- Die uferlose
- Kontrast
- Wo fremd die Luft, das Himmelslicht, Im kalten Wogenlärme
- Metapher
- Die Sonne glüht so helle
- Personifikation
- Die Wogen stürzen sich heran
- Symbolik
- Ein Irisband