Seemanns Abschied

Joseph von Eichendorff

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Ade, mein Schatz, du mochtst mich nicht, Ich war dir zu geringe. Einst wandelst du bei Mondenlicht Und hörst ein süßes Klingen, Ein Meerweib singt, die Nacht ist lau, Die stillen Wolken wandern, Da denk an mich, ′s ist meine Frau, Nun such dir einen andern!

Ade, ihr Landsknecht′, Musketier′! Wir ziehn auf wildem Rosse, Das bäumt und überschlägt sich schier Vor manchem Felsenschlosse, Der Wassermann bei Blitzesschein Taucht auf in dunklen Nächten, Der Haifisch schnappt, die Möwen schrein - Das ist ein lustges Fechten!

Streckt nur auf eurer Bärenhaut Daheim die faulen Glieder, Gott Vater aus dem Fenster schaut, Schickt seine Sündflut wieder, Feldwebel, Reiter, Musketier, Sie müssen all ersaufen, Derweil mit frischem Winde wir Im Paradies einlaufen.

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Illustration zu Seemanns Abschied

Interpretation

Das Gedicht "Seemanns Abschied" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Seemann, der sich von seiner Geliebten und seinen Kameraden verabschiedet. Im ersten Abschnitt verabschiedet er sich von seiner Liebsten, die ihn nicht gewollt hat. Er verspricht ihr, dass sie ihn eines Tages bei einem Meerweiblied vermissen wird und ermutigt sie, sich einen anderen zu suchen. Im zweiten Abschnitt verabschiedet er sich von seinen Kameraden und beschreibt die Gefahren und Abenteuer, die auf sie auf ihrer Reise warten. Er erwähnt den Wassermann, Haifische und Möwen, die sie auf ihrem Weg begleiten werden. Trotz der Gefahren scheint er die Reise als "lustges Fechten" zu betrachten. Im dritten Abschnitt beschreibt er, wie seine Kameraden zu Hause faul herumliegen, während er und seine Mitreisenden in das Paradies segeln. Er deutet an, dass sie von Gott bestraft werden, indem er eine Sintflut erwähnt, die ihre Kameraden ertränken wird. Der Seemann scheint die Reise als eine Art Flucht aus der langweiligen und sündigen Welt zu betrachten, in der er sich befindet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Das bäumt und überschlägt sich schier Vor manchem Felsenschlosse
Anapher
Ade, mein Schatz, du mochtst mich nicht Ade, ihr Landsknecht′, Musketier′!
Kontrast
Das ist ein lustges Fechten! Streckt nur auf eurer Bärenhaut Daheim die faulen Glieder
Metapher
Streckt nur auf eurer Bärenhaut Daheim die faulen Glieder
Personifikation
Gott Vater aus dem Fenster schaut