Seelenlos
1908Sie sagen, du hast keine Seele, Arm bleiche Birkenmaid. Du kauerst starr und stumm Auf düster struppiger Heid.
Du kauerst in der Öde, Ein ausgestoßen Kind. Dein Haargezweige zaust Der raue Märzenwind.
Sein mürrisch Brausen wogt Durch Heidekraut und Ginster. Ins weite Nebelgrau Pilgern Wolken finster.
Eine Krähe treibt im Sturm Taumelig vorbei; Heiser und erstickt Ihr grimmer Klageschrei…
Kein Bettelkind, o Birke, Ist also arm und bloß; Es hat eine Seele, zu weinen - Dich heißen sie seelenlos.
Und doch, in tiefer Öde Spürst du die hohe Trauer Als Seelenfrösteln süß, Wollüstig kühlen Schauer.
Du kauerst starr und stumm Auf düster struppiger Heid. Sie sagen, du hast keine Seele, Arm bleiche Birkenmaid.
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Interpretation
Das Gedicht "Seelenlos" von Bruno Wille handelt von einer einsamen Birke in der kargen Heide, die als seelenlos bezeichnet wird. Durch die Beschreibung der einsamen und verlassenen Birke wird die Frage nach der Seele und dem Menschsein aufgeworfen. Die Birke wird als ausgestoßenes Kind dargestellt, das in der Öde kauernd auf die raue Natur trifft. Die Natur um die Birke herum wird als düster und bedrohlich beschrieben. Der raue Märzenwind, das mürrische Brausen und die finsteren Wolken schaffen eine Atmosphäre der Trauer und Einsamkeit. Die Krähe im Sturm verstärkt das Gefühl der Verlassenheit und des Schmerzes. Die Natur scheint die Einsamkeit der Birke zu verstärken und zu bestätigen. Im letzten Teil des Gedichts wird die Frage nach der Seele der Birke noch einmal aufgegriffen. Obwohl die Birke als seelenlos bezeichnet wird, spürt sie dennoch eine tiefe Trauer und ein seelisches Frösteln. Die Birke empfindet die Trauer als süß und den kühlen Schauer als wollüstig. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Natur der Seele und die Verbindung zwischen Mensch und Natur an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- düster struppiger Heid
- Bildsprache
- Eine Krähe treibt im Sturm Taumelig vorbei; Heiser und erstickt Ihr grimmer Klageschrei
- Kontrast
- Kein Bettelkind, o Birke, Ist also arm und bloß; Es hat eine Seele, zu weinen - Dich heißen sie seelenlos
- Metapher
- Arm bleiche Birkenmaid
- Personifikation
- Sein mürrisch Brausen wogt
- Wiederholung
- Sie sagen, du hast keine Seele, Arm bleiche Birkenmaid