Seele und Geist
1866Ist′s edler, hinzugeben Die Seele einem großen Leid, Oder, sich stark zu erheben Ins grausam siegende Leben Mit harter Männlichkeit?
Von allen unsern Fragen Mag keine schwer wie diese sein! Der Geist will nie verzagen - Die Seele will fühlen und klagen, Ausschöpfend jede Pein.
Und hat dem Bann sich entrissen Der Feurige zu neuem Glück, Muß er die Seele missen - Die blieb in Finsternissen Bei ihren Toten zurück.
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Interpretation
Das Gedicht "Seele und Geist" von Hanns von Gumppenberg thematisiert den Konflikt zwischen der seelischen Tiefe und der geistigen Stärke. Es stellt die Frage, ob es edler ist, sich einem großen Leid hinzugeben oder sich mit harter Männlichkeit ins Leben zu erheben. Der Autor reflektiert über die verschiedenen Aspekte von Seele und Geist und deren jeweilige Reaktionen auf Schmerz und Herausforderungen. Die Seele wird als ein Wesen dargestellt, das fühlen und klagen will, das jede Pein ausschöpfen möchte. Sie ist tief und empfindsam, neigt dazu, sich in Emotionen zu verlieren und sich dem Leid hinzugeben. Der Geist hingegen strebt danach, nicht zu verzagen, stark zu bleiben und sich nicht unterkriegen zu lassen. Er verkörpert die Willenskraft und die Fähigkeit, sich aus dunklen Zeiten zu befreien. Im letzten Teil des Gedichts wird deutlich, dass der Feurige, der sich aus dem Bann befreit und zu neuem Glück findet, die Seele vermissen wird. Die Seele bleibt in den Finsternissen zurück, bei ihren Toten. Dies verdeutlicht den Preis, den man zahlt, wenn man sich ausschließlich auf den Geist konzentriert und die seelische Tiefe vernachlässigt. Es entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen der Notwendigkeit, stark zu sein, und dem Verlust der emotionalen Tiefe und Verbundenheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die blieb in Finsternissen Bei ihren Toten zurück
- Kontrast
- Und hat dem Bann sich entrissen Der Feurige zu neuem Glück, Muß er die Seele missen
- Metapher
- Die Seele einem großen Leid
- Parallelismus
- Die Seele will fühlen und klagen, Ausschöpfend jede Pein
- Personifikation
- Der Geist will nie verzagen - Die Seele will fühlen und klagen