Seegesicht

Peter Hille

1889

Die Küste ruht. Weites Tritonengetut Silberne Wunden der Flut Tobende Augen der Wut.

Krähende Pausbacks auf steigenden Rossen, Plätschernder Spielen purpurne Flossen, Neckisch Bedräuen mit Zacken und Spießen, Kräftig anfassendes Leiberumschließen.

Und sieh, eine Muschel fleischgelb und zart Von Amorinen flüsternd bewahrt. Hingegossen ruhende Linien, Grüßender rauschender Palmen und Pinien. Angeblühte rosige Brüste. Lächelnde sonnengestreifte Küste.

Fürder kein Dräuen mit Zacken und Spießen Müdhinlallendes Leiberumschließen. Nickende Pausbacks auf schlürfenden Rossen. - Grünhinflüsternde, finstere Flossen.

Erloschene Wunden der Flut, Fernes Tritonengetut Stierende Augen der Wut. Die Küste ruht.

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Illustration zu Seegesicht

Interpretation

Das Gedicht "Seegesicht" von Peter Hille beschreibt eine dynamische und lebendige Küstenlandschaft. In der ersten Strophe wird die Küste als ruhend dargestellt, während die Flut mit silbernen Wunden und tobenden Augen der Wut beschrieben wird. Dies schafft eine kontrastreiche Atmosphäre zwischen Ruhe und wildem Geschehen. Die zweite Strophe führt weitere Elemente ein: krähende Pausbacks auf steigenden Rossen, plätschernde Spielen mit purpurnen Flossen und neckisches Bedräuen mit Zacken und Spießen. Diese Beschreibungen verleihen der Szene eine lebhafte und beinahe märchenhafte Qualität, wobei die Meeresbewohner und -elemente personifiziert werden. In der dritten Strophe wird eine Muschel von Amorinen bewahrt, umgeben von ruhenden Linien, grüßenden Palmen und Pinien sowie angeblühten rosigen Brüsten. Die Küste lächelt sonnengestreift, was eine friedliche und harmonische Stimmung erzeugt. Die vierte Strophe kehrt zu einem ruhigeren und gedämpfteren Bild zurück, mit nickenden Pausbacks auf schlürfenden Rossen und grün flüsternden, finsteren Flossen. Die Wunden der Flut erlöschen, und das Tritonengetut sowie die stiernden Augen der Wut treten in den Hintergrund. Die letzte Strophe schließt den Kreis, indem sie die Küste erneut als ruhend darstellt, während das Tritonengetut und die stiernden Augen der Wut in die Ferne rücken. Das Gedicht endet mit einer Rückkehr zur Ruhe, nachdem die dynamischen und lebendigen Bilder der vorherigen Strophen die Szene belebt haben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Tobende Augen der Wut
Metapher
Stierende Augen der Wut
Personifikation
Die Küste ruht.