Sechzehnter Januar

Franz Kafka

1883

Sechzehnter Januar. Es war in der letzten Woche wie ein Zusammenbruch. Unmöglichkeit zu schlafen, Unmöglichkeit zu wachen Unmöglichkeit das Leben genauer die Aufeinanderfolge des Lebens zu ertragen. Die Uhren stimmen nicht überein. Die Innere jagt in einer teuflischen oder dämonischen, oder jedenfalls unmenschlichen Art. Die Äussere geht stockend ihren gewöhnlichen Gang. Was kann andres geschehn als daß sich die zwei verschiedenen Welten trennen und sie trennen sich, oder reißen zu mindestens in einer fürchterlichen Art. Die Einsamkeit die mir zum größten Teil seit je heraufgezwungen war zum Teil von mir gesucht wurde, (doch was war auch dies andere als Zwang) wird jetzt ganz unzweideutig und geht auf das Äusserste wohin führt sie? Sie kann dies scheint am zwingendsten zum Irrsinn führen. Darüber kann nichts weiter ausgesagt werden. Die Jagd geht durch mich und zerreißt mich. Oder aber ich kann - sei es auch nur zum einzigsten Teil mich aufrecht erhalten, lasse mich also von der Jagd tragen. Wohin komme ich dann? Jagd ist ja nur ein Bild - man kann auch sagen: Ansturm gegen die letzte, irdische Grenze.

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Illustration zu Sechzehnter Januar

Interpretation

Das Gedicht "Sechzehnter Januar" von Franz Kafka beschreibt eine tiefe seelische Krise, in der der Erzähler zwischen Schlaf und Wachen, zwischen Innen- und Außenwelt zerrissen wird. Die innere Uhr jagt in einer teuflischen, unmenschlichen Art, während die äußere Zeit stockend ihren gewöhnlichen Gang geht. Diese Diskrepanz führt zu einem Zusammenbruch, bei dem sich die beiden Welten zu trennen drohen oder zumindest auf furchtbare Weise reißen. Die Einsamkeit, die dem Erzähler schon immer zum Teil aufgezwungen und zum Teil von ihm gesucht wurde, wird nun ganz unzweideutig und extrem. Kafka deutet an, dass diese Einsamkeit zwangsläufig in den Wahnsinn führen kann. Die innere Jagd zerreißt den Erzähler, und er steht vor der Frage, ob er sich von dieser Jagd tragen lassen soll. Die Jagd ist hier ein Bild für den Ansturm gegen die letzte, irdische Grenze, was auf einen existenziellen Kampf hindeutet. Kafka vermittelt in diesem Gedicht ein tiefes Gefühl der Verzweiflung und des inneren Konflikts. Die Unfähigkeit, das Leben und die aufeinanderfolgenden Momente zu ertragen, spiegelt eine tiefe existenzielle Krise wider. Die Trennung von Innen- und Außenwelt symbolisiert die Zerrissenheit des Ichs und den Kampf um innere Stabilität. Die Einsamkeit, die bis zum Extrem getrieben wird, droht in den Wahnsinn zu führen, was die fragile Natur des menschlichen Geistes unterstreicht. Kafka lässt den Leser am Ende mit der unbeantworteten Frage zurück, wohin der Erzähler gelangen wird, wenn er sich von der Jagd tragen lässt, und betont damit die Ungewissheit und den existenziellen Charakter dieser inneren Auseinandersetzung.

Schlüsselwörter

kann unmöglichkeit geht teil jagd art trennen wohin

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Stilmittel

Bild
Jagd ist ja nur ein Bild - man kann auch sagen: Ansturm gegen die letzte, irdische Grenze.
Gegensatz
Die Innere jagt in einer teuflischen oder dämonischen, oder jedenfalls unmenschlichen Art. Die Äussere geht stockend ihren gewöhnlichen Gang.
Hyperbel
Unmöglichkeit zu schlafen, Unmöglichkeit zu wachen
Kontrast
Die Einsamkeit die mir zum größten Teil seit je heraufgezwungen war zum Teil von mir gesucht wurde
Metapher
Die Jagd geht durch mich und zerreißt mich.
Personifikation
Die Uhren stimmen nicht überein.
Rhetorische Frage
Was kann andres geschehn als daß sich die zwei verschiedenen Welten trennen
Wiederholung
Sie trennen sich, oder reißen zu mindestens in einer fürchterlichen Art.