Schwur und Glaube

Gabriele von Baumberg

1768

“Kann je dies Herz dir untreu werden, “Das dich so zärtlich liebt, so heiss! “Dann Lindenblätter, fällt zur Erden, “Und du, geliebter Quell, wird Eis!

So raubten Siegmunds süsse Töne Einst einem Mädchen Glück und Ruh; Und künstlich heuchelt’ er die Thräne Scheinbarer Redlichkeit hinzu:

Dass sie, getäuscht durch seine Blicke, Und überwältigt vom Gefühl, Nicht ahnend des Verräthers Tücke, Ihm sorglos in die Arme fiel.

Kaum aber war sein Flehn erhöret, Und für die Treu, die er verhiess, Vom guten Kind’ ihm Treu gewähret: Als er die Arme schon verliess.

Er floh: sie weint’: er kam nicht wieder. Leichtsinnig brach er Pflicht und Schwur, Liess sich auf fremden Fluren nieder, Und spottet’ ihrer Thränen nur.

Bestürzt schlich sie hianus zur Quelle, Wo sie sonst freudig sich beschaut. Erinnrung schwebt um diese Stelle, Drum seufzt das gute Mädchen laut:

“Ach, Gott! er hat nicht falsch geschworen, “Ich hab ihm nur zu leicht geglaubt! “Denn alle Quellen sind gefroren, “Und alle Bäume sind entlaubt.

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Illustration zu Schwur und Glaube

Interpretation

Das Gedicht "Schwur und Glaube" von Gabriele von Baumberg thematisiert die schmerzhafte Erfahrung eines gebrochenen Versprechens und die damit verbundene Enttäuschung. Es beginnt mit einem Schwur, der die unerschütterliche Treue beschwört, symbolisiert durch das Bild fallender Lindenblätter und eines gefrierenden Quells. Dieser Schwur wird jedoch durch die Erzählung von Sigmund, der ein Mädchen mit scheinheiligen Tränen und künstlichen Worten täuscht, widerlegt. Das Mädchen, blind vor Liebe und Vertrauen, fällt ihm zum Opfer, nur um im Stich gelassen zu werden, als er sein Versprechen bricht und sich einer anderen zuwendet. Die Erzählung verdeutlicht die Konsequenzen von Sigmunds leichtfertigem Verhalten, das nicht nur das Herz des Mädchens bricht, sondern auch ihre Welt verändert. Die einst freudige Quelle, an der sie sich selbst betrachtete, wird zum Ort der Trauer und Erinnerung. Das Mädchen, nun bestürzt und verlassen, kehrt an diesen Ort zurück, wo die Erinnerungen an die verlorene Liebe sie zum Seufzen bringen. Hier wird der Kontrast zwischen der einstigen Freude und der jetzigen Trauer besonders deutlich. Im letzten Vers des Gedichts reflektiert das Mädchen über die Natur der Täuschung. Sie erkennt, dass Sigmund nicht gelogen hat, als er seinen Schwur ablegte, sondern dass ihr eigenes zu leichtfertiges Vertrauen der Grund für ihr Unglück war. Die Metapher der gefrorenen Quellen und entlaubten Bäume symbolisiert die Kälte und Leere, die nach dem Verlust der Liebe zurückbleiben. Das Gedicht endet mit einer resignierten Einsicht in die Vergänglichkeit der Liebe und die Notwendigkeit, vorsichtiger mit dem eigenen Herzen umzugehen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Dass sie, getäuscht durch seine Blicke, Und überwältigt vom Gefühl
Ironie
Ach, Gott! er hat nicht falsch geschworen, Ich hab ihm nur zu leicht geglaubt!
Metapher
Dann Lindenblätter, fällt zur Erden, Und du, geliebter Quell, wird Eis!
Personifikation
Erinnrung schwebt um diese Stelle
Vergleich
Und künstlich heuchelt' er die Thräne Scheinbarer Redlichkeit hinzu