Schweizer und Landsknechte
1905Im Rheintal gegen die Schweizer hielt der Landsknechte Schar, des Feindes fester Stellung nahmen sie ungern wahr; sie sah′n aus ihrem Lager mit Grimm die Höh′n hinauf, stolzierend in roten Wämsern, gestemmt die Faust am Knauf. Sie sangen, tanzten und trieben der argen Kurzweil viel, der Krug lag bei der Trommel und drauf das Würfelspiel. Sie kneiften in die Wangen und nahmen den Fingerring der jungen Dirne, die eilig vorbei am Lager ging. Vor Altmoos hielten ihrer zweitausend an der Zahl, die Eidgenossen sahen vom Berg herab ins Tal. Gescholten und vergolten ward mancher Schimpf und Hohn und manchem kecken Trotzwort ein Schuß dafür zum Lohn. Da fiel es eines Tages den guten Gesellen ein, sie wollten zur Hochzeit laden die Hirten auf dem Stein, sie hingen Brautgewande mit Fleiß um eine Kuh, sie banden ihr um die Klauen auch nette Schnabelschuh′, sie wanden um die Hörner ihr einen dicken Kranz und führten sie mit Bändern hervor als wie zum Tanz. Es stund die Kuh und brüllte zurück nach ihrem Haus, da lachten sie und sagten, sie stößt schon Seufzer aus. Nun wird wohl einer kommen und freien um die Maid, hei, wie sie prächtig schreitet in ihrem Schweizerkleid! Sie riefen zu den Hirten nach Altmoos in den Ort: Kommt doch herab zur Hochzeit, da sagten die: Aufs Wort! Sie packten ihre Kolben, der Spaß verdroß sie fast, und als es dunkel wurde, da kamen sie zu Gast. Sie brachen wie ein Waldstrom herab mit Sturmgetos, sie stürzten wie die Stiere auf ihre Feinde los. Sie rannten an und nahmen den Lagerwall im Lauf, noch eh′ in ihren Zelten die Landsknecht′ sprangen auf. Die schlugen wie die Bären um sich in ihrer Not, doch war von hellem Brande das Lager schon entloht. Da sank manch wackrer Landsknecht hin in den roten Klee, und die geflohn, ertranken im Rhein und Bodensee. Die Schweizer aber trieben das Kühlein mit nach Haus und sagten zueinander: Es war ein feiner Strauß.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Schweizer und Landsknechte" von Hermann Lingg schildert den Kontrast zwischen der leichtfertigen und ausgelassenen Lebensweise der Landsknechte und der ernsthaften und disziplinierten Haltung der Schweizer. Die Landsknechte, in ihren roten Wämsern, verbringen ihre Zeit mit Singen, Tanzen und Spielen, während die Schweizer von ihrem Berg aus die Situation beobachten. Die Spannung zwischen den beiden Gruppen steigt, bis die Schweizer beschließen, den Landsknechten einen Streich zu spielen, indem sie eine Kuh als Braut verkleiden und sie zur "Hochzeit" einladen. Die Schweizer nutzen die Einladung als Vorwand, um die Landsknechte anzugreifen. Sie stürmen wie ein Waldstrom und Stiere auf ihre Feinde los, überraschen sie und erobern den Lagerwall. Die Landsknechte, überrascht und überwältigt, kämpfen verzweifelt, aber letztendlich unterliegen sie der überlegenen Strategie und dem Mut der Schweizer. Das Gedicht endet mit einem ironischen Kommentar der Schweizer, die die Kuh mit nach Hause nehmen und den Vorfall als "feinen Strauß" bezeichnen. Das Gedicht verdeutlicht die Themen Überraschung, List und den Triumph der Schweizer über die Landsknechte. Es zeigt auch die kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen und wie diese Unterschiede zu Konflikten führen können. Die humorvolle Einleitung mit der Kuh-Hochzeit kontrastiert mit der ernsten und blutigen Schlacht, die folgt, und unterstreicht die Unberechenbarkeit und Brutalität des Krieges.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gescholten und vergolten ward mancher Schimpf und Hohn
- Hyperbel
- Sie rannten an und nahmen den Lagerwall im Lauf
- Metapher
- Sie brachen wie ein Waldstrom herab mit Sturmgetos
- Personifikation
- Sie kneiften in die Wangen und nahmen den Fingerring der jungen Dirne
- Vergleich
- Sie stürzten wie die Stiere auf ihre Feinde los