Schweigen
1944…Und rings das Schweigen … tödlich schweres Schweigen, Als wär′ der stumme, blasse Lebensgeist So straff geschwellt mit lauten Schmerzensworten, Dass er daran erstickend würgt und schweigt. Er ringt in mir nach Athem, keucht danach, In einen gellen Schrei zu pressen all Das stumpfe Elend …
Einen Schrei, der klirrend Die Seelenfasern auseinandersprengt, Dass mir die blonde, traumumwehte Psyche Verhauchend aufgeh′n darf im blauen All … … In kühler Kelche Duft sich wiegend, In leisem Wohlklang weich sich schmiegend, Endlich befreit …!
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Interpretation
Das Gedicht "Schweigen" von Lisa Baumfeld beschreibt eine tiefe innere Spannung und das Verlangen nach Befreiung. Die Stille wird als erdrückend und "tödlich schwer" dargestellt, als ob ein stummer, blasser Lebensgeist mit lautlosen Schmerzensworten so vollgestopft wäre, dass er erstickt und schweigt. Der Sprecher ringt innerlich nach Atem, um all das stumpfe Elend in einen gellenden Schrei zu pressen. Der Schrei wird als etwas Gewaltsames und Zerstörerisches imaginiert, das die Seelenfasern auseinandersprengt. Er soll der blonden, traumumwobenen Psyche erlauben, im blauen All zu vergehen und sich zu befreien. Das Gedicht endet mit einem Bild der Erlösung: In kühler Kelche Duft sich wiegend, in leisem Wohlklang sich schmiegend, endlich befreit. Die Stille wird so zur Metapher für unterdrücktes Leid und das Verlangen nach Ausdruck und Befreiung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- leichter Wohlklang
- Personifikation
- blasse Lebensgeist