Schwarz-Rot-Gold
1848In Kümmernis und Dunkelheit, Da mußten wir sie bergen! Nun haben wir sie doch befreit, Befreit aus ihren Särgen! Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt! Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Das ist das alte Reichspanier, Das sind die alten Farben! Darunter haun und holen wir Uns bald wohl junge Narben! Denn erst der Anfang ist gemacht, Noch steht bevor die letzte Schlacht! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Ja, die das Banner ihr gestickt, Ihr Jungfern unverdrossen, Derweil am Feuer wir gebückt Uns Flintenkugeln gossen: Nicht, wo man singt nur oder tanzt, Geschwungen sei’s und aufgepflanzt! - Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Denn das ist noch die Freiheit nicht, Die Deutschland muß begnaden, Wenn eine Stadt in Waffen spricht Und hinter Barrikaden: “Kurfürst, verleih! Sonst - hüte dich! - Sonst werden wir - großherzoglich!” Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Das ist noch lang die Freiheit nicht, Die ungeteilte, ganze, Wenn man ein Zeughaustor erbricht, Und Schwert sich nimmt und Lanze; Sodann ein weniges sie schwingt, Und - folgsamlich zurück sie bringt! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Das ist noch lang die Freiheit nicht, Wenn ihr an Brockhaus’ Glase Ausübt ein klirrend Strafgericht Ob einer Dresdner Nase! Was liegt euch an dem Sozius? Drauf: - in die Hofburg Stein und Schuß! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Das ist noch lang die Freiheit nicht, Wenn man, statt Patronen, Mit keiner andern Waffe ficht, Als mit Petitionen! Du lieber Gott: - Petitioniert! Parlamentiert, illuminiert! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Das ist noch lang die Freiheit nicht, Sein Recht als Gnade nehmen Von Buben, die zu Recht und Pflicht Aus Furcht nur sich bequemen! Auch nicht: daß, die ihr gründlich haßt, Ihr dennoch auf den Thronen laßt! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Die Freiheit ist die Nation, Ist aller gleich Gebieten! Die Freiheit ist die Auktion Von dreißig Fürstenhüten! Die Freiheit ist die Republik! Und abermals: die Republik! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Die eine deutsche Republik, Die mußt du noch erfliegen! Mußt jeden Strick und Galgenstrick Dreifarbig noch besiegen! Das ist der große letzte Strauß - Flieg aus, du deutsch Panier, flieg aus! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Zum Kampfe denn, zum Kampfe jetzt! Der Kampf nur gibt dir Weihe! Und kehrst du rauchig und zerfetzt, So stickt man dich aufs neue! Nicht wahr, ihr deutschen Jungfräulein? Hurra, das wird ein Sticken sein! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Und der das Lied für euch erfand In einer dieser Nächte, Der wollte, daß ein Musikant Es bald in Noten brächte! Heißt das: ein rechter Musikant! Dann kläng’ es hell durchs deutsche Land: Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Schwarz-Rot-Gold" von Ferdinand Freiligrath ist ein kraftvolles und kämpferisches Werk, das die deutsche Revolution von 1848 und den Kampf für Freiheit und Einheit thematisiert. Das Gedicht beginnt mit einer Anspielung auf die Farben der deutschen Flagge, die in Kümmernis und Dunkelheit verborgen waren, nun aber befreit wurden. Der Dichter verwendet die Farben Schwarz, Rot und Gold als Symbole für die revolutionären Bestrebungen und den Kampf gegen Unterdrückung. Im weiteren Verlauf des Gedichts kritisiert Freiligrath die unzureichenden Bemühungen um Freiheit und Einheit. Er beschreibt verschiedene Szenarien, in denen die Revolutionäre zwar Fortschritte gemacht haben, aber noch nicht das wahre Ziel erreicht haben. Das Gedicht betont, dass die wahre Freiheit noch nicht erreicht ist, solange die Macht nicht vollständig in den Händen des Volkes liegt und die Monarchie noch besteht. Freiligrath fordert eine radikale Veränderung und die Errichtung einer deutschen Republik. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zum Kampf und zur Ausdauer. Der Dichter imaginiert, dass selbst wenn die Fahne beschädigt zurückkehrt, sie von den deutschen Jungfrauen neu bestickt wird. Dies symbolisiert die unerschütterliche Entschlossenheit der Revolutionäre, für ihre Ideale zu kämpfen und sie zu verteidigen. Das wiederkehrende Motiv des "Pulvers ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme" unterstreicht die Opferbereitschaft und die Intensität des Kampfes für Freiheit und Einheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
- Anapher
- Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
- Bildsprache
- Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme!
- Metapher
- Die Freiheit ist die Auktion Von dreißig Fürstenhüten!
- Personifikation
- Und kehrst du rauchig und zerfetzt, So stickt man dich aufs neue!
- Reimschema
- Das ist das alte Reichspanier, Das sind die alten Farben!
- Symbolik
- Schwarz-Rot-Gold
- Übertreibung
- Das ist der große letzte Strauß - Flieg aus, du deutsch Panier, flieg aus!