Schwäbisches Bauernlied

Christian Friedrich Daniel Schubart

1787

So herzig, wie mein’ Lisel, Gibt’s halt nichts auf der Welt! Vom Köpflein bis zum Füßel Ist sie gar wohl bestellt: Die Wänglein weiß und roth; Ihr Mund, wie Zuckerbrod. So herzig, wie mein’ Lisel, Gibt’s halt nichts auf der Welt.

Viel weicher als die Seide Ist ihr kohlschwarzes Haar, Und ihre Aeuglein beide Sind wie die Sternlein klar; Sie blinzeln hin und her, Sind schwarz, wie Vogelbeer. So herzig, wie mein’ Lisel, Gibt’s halt nichts auf der Welt.

Im Dörflein ist kein Mädchen So fleißig, wie mein’ Braut. Im Winter dreht sie ’s Rädchen, Im Frühling pflanzt sie Kraut. Im Sommer macht sie Heu, Trägt Obst im Herbst herbei. So herzig, wie mein’ Lisel, Gibt’s halt nichts auf der Welt.

Auch schreibt sie, ’s ist ein Wunder; Jüngst schickt sie mir ’nen Brief, Daß mir die Backen ‘runter Das helle Wasser lief. Liest sie in der Postill, So bin ich mäuschenstill. So herzig, wie mein’ Lisel, Gibt’s halt nichts auf der Welt.

Ihr sollt sie tanzen sehen, Das traute Liselein! Sie hüpft und kann sich drehen, Als wie ein Wieselein; Doch schleift und tanzt sie dir Am liebsten nur mit mir. So herzig, wie mein’ Lisel, Gibt’s halt nichts auf der Welt.

O, traute Lisel! länger Renn’ ich nicht hin und her, Es wird mir immer bänger; Wenn doch die Hochzeit wär’! Im ganzen Schwabenland Kriegst keine treu’re Hand. O du, mein’ traute Lisel, Wenn doch die Hochzeit wär’!

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Illustration zu Schwäbisches Bauernlied

Interpretation

Das Gedicht "Schwäbisches Bauernlied" von Christian Friedrich Daniel Schubart handelt von der Bewunderung des lyrischen Ichs für seine Angebetete Lisel. In einer Reihe von Strophen preist der Sprecher die Schönheit und Tugenden seiner Liebsten in überschwänglichen Worten. Die physische Anziehung wird durch den Vergleich ihrer Wangen mit Schnee und Rosen sowie ihrer Augen mit klaren Sternen betont. Lisel wird als Inbegriff von Weiblichkeit und Anmut dargestellt, die in ihrer Erscheinung und ihrem Wesen unübertroffen ist. Neben ihrer äußeren Schönheit wird Lisel auch für ihre häuslichen Fähigkeiten und ihre Arbeitsamkeit gelobt. Sie wird als fleißiges Bauernmädchen beschrieben, das sich in allen Jahreszeiten mit verschiedenen Arbeiten abgibt, von der Handarbeit im Winter bis zum Heuen im Sommer. Diese Darstellung unterstreicht die traditionellen Werte der Zeit, in der die Fähigkeit, im Haushalt und auf dem Feld nützlich zu sein, als erstrebenswert galt. Das lyrische Ich ist von Lisels Fähigkeiten so beeindruckt, dass es bei ihrem Lesen aus der Postille still wird, was ihre intellektuelle und spirituelle Tiefe andeutet. Das Gedicht kulminiert in der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der Hochzeit mit Lisel. Die wiederholte Behauptung, dass es in der ganzen Welt niemanden gibt, der so herzig ist wie Lisel, mündet in dem Wunsch, sie zur Frau zu nehmen. Die letzte Strophe drückt eine gewisse Ungeduld und Nervosität aus, die mit der Erwartung der Hochzeit einhergeht. Die Treue und Liebe des lyrischen Ichs zu Lisel wird als unerschütterlich dargestellt, und die Vorstellung, sie möge bald seine Frau werden, erfüllt ihn mit Vorfreude und Erwartung.

Schlüsselwörter

lisel herzig gibt halt welt traute hin her

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Stilmittel

Alliteration
Sie blinzeln hin und her
Bildsprache
Als wie ein Wieselein
Hyperbel
So herzig, wie mein' Lisel, Gibt's halt nichts auf der Welt!
Metapher
Ihr Mund, wie Zuckerbrod
Personifikation
Im Winter dreht sie 's Rädchen
Vergleich
Sind wie die Sternlein klar
Wiederholung
So herzig, wie mein' Lisel, Gibt's halt nichts auf der Welt.