Schwäbische Magister in Rom

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1893

Kommt nur alle herbei! Es ziehn süddeutsche Magister Jetzt in Menge nach Rom, wie ins Collegium ein. Das ist ein Reisen, und das ist ein Kurs! Ein halb Dutzend nun hat sich Wochenlang von Bier und von Dogmatik erzählt.

Kaum ist′s Examen erstanden, so packt man auch schon sich das Ränzchen, Und im geistlichen Frack reist man Italien zu, Ja, das gehet so schnell, man beschmutzt, von den Qualen des Durchfalls Noch studentisch geplagt, selber das klassische Rom.

Immer treibt man es so. Es liebt sich der Deutsche den Umweg, Und die unendliche Welt will er gelehrt sich beschaun. Sucht sich einer das A im ABC-Buch des Lebens, Fängt er, ich wette, beim Z mühsam von hinten auch an.

Darum reist man! Es kommt noch dahin, daß selber die Drescher Zur Verfein′rung der Kunst Rom und Italien sehn. Und ich ahne, noch füllt der Vatican sich mit Flegeln, Ja vor das jüngste Gericht pflanzen sie gar noch sich auf.

Und im Tagbuch durchdrischt man die abgedroschensten Dinge, Wie′s in der Schule man einst, in den Collegien gethan, Dann mit dem wohlgeschriebenen Heft geht′s wieder nach Hause, Und als Vikarius erst drischt man gedroschenes Korn.

Einige Malernamen, wie Raffael, Tizian, Guido, Lernt man mit Fleiß, denn die Kunst ist für Magister auch schön. Und daß er Alles behält, was er sah, daß er hat, was er nicht sah, Hat er in Kupferstich Raffaels Logen gekauft.

Schön wie Italiens Himmel, von dem er so vieles gelesen, Den er nun selber gesehn, folgt die Erinn′rung ihm nach, Und in traulicher Lust erzählt er dem Küster und Schultheiß Dann von Antiken und fügt manches: hinzu.

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Illustration zu Schwäbische Magister in Rom

Interpretation

Das Gedicht "Schwäbische Magister in Rom" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine satirische Darstellung der Reise deutscher Magister nach Rom. Der Dichter beschreibt, wie diese gebildeten Männer, die sich zuvor mit Bier und Dogmatik beschäftigt haben, nun nach Rom reisen, um die klassische Welt zu sehen. Waiblinger kritisiert ihre oberflächliche Art des Reisens und Lernens, die er als ungeordnet und ineffizient empfindet. Er vergleicht ihr Verhalten mit dem eines Schülers, der versucht, das Alphabet rückwärts zu lernen, und deutet an, dass sie sich auf ihrem Weg nach Rom auch noch mit banalen Dingen wie Dreschen beschäftigen werden. In den folgenden Strophen geht Waiblinger auf die Art und Weise ein, wie die Magister ihre Erlebnisse in Rom dokumentieren und verarbeiten. Sie durchdringen ihre Tagebücher mit abgedroschenen Dingen, ähnlich wie sie es einst in der Schule oder in den Collegien getan haben. Nach ihrer Rückkehr nach Hause werden sie als Vikare tätig und "drischten gedroschenes Korn", was als Metapher für ihre repetitive und unoriginelle Arbeit verstanden werden kann. Waiblinger deutet an, dass sie sich zwar mit Kunst beschäftigen, aber nur oberflächlich, indem sie sich Namen wie Raffael, Tizian und Guido einprägen und Kupferstiche kaufen, um sich an das zu erinnern, was sie gesehen haben. Im letzten Teil des Gedichts beschreibt Waiblinger, wie die Magister nach ihrer Rückkehr ihre Erlebnisse in Italien mit anderen teilen. Sie erzählen vom italienischen Himmel und von den Antiquitäten, die sie gesehen haben, und fügen dabei manchmal eigene Erfindungen hinzu. Waiblinger deutet an, dass ihre Erzählungen mehr von ihrer Vorstellungskraft als von tatsächlichen Erlebnissen geprägt sind. Insgesamt kritisiert das Gedicht die oberflächliche Art des Reisens und Lernens der Magister und deutet an, dass ihre Erlebnisse in Rom mehr von ihrer Vorstellungskraft als von tatsächlichen Erlebnissen geprägt sind.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
süddeutsche Magister
Hyperbel
ein halb Dutzend nun hat sich Wochenlang von Bier und von Dogmatik erzählt
Metapher
Erinn'rung ihm nach
Personifikation
Examens erstanden