Schöne Junitage
1844Mitternacht, die Gärten lauschen, Flüsterwort und Liebeskuß, Bis der letzte Klang verklungen, Weil nun alles schlafen muß - Flußüberwärts singt eine Nachtigall.
Sonnengrüner Rosengarten, Sonnenweiße Stromesflut, Sonnenstiller Morgenfriede, Der auf Baum und Beeten ruht - Flußüberwärts singt eine Nachtigall.
Straßentreiben, fern, verworren, Reicher Mann und Bettelkind, Myrtenkränze, Leichenzüge, Tausendfältig Leben rinnt - Flußüberwärts singt eine Nachtigall.
Langsam graut der Abend nieder, Milde wird die harte Welt, Und das Herz macht seinen Frieden, Und zum Kinde wird der Held - Flußüberwärts singt eine Nachtigall.
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Interpretation
Das Gedicht "Schöne Junitage" von Detlev von Liliencron beschreibt den Lauf eines Tages, der sich von der Mitternacht über den Morgen bis zum Abend erstreckt. Es beginnt mit einer nächtlichen Szene, in der die Gärten lauschen und Liebesworte ausgetauscht werden, bis alles schlafen muss. Die wiederkehrende Zeile "Flußüberwärts singt eine Nachtigall" dient als Refrain und verbindet die verschiedenen Tageszeiten miteinander. Der zweite Abschnitt schildert einen sonnigen Morgen im Rosengarten, an dem die Natur in voller Pracht erstrahlt. Die Flusslandschaft wird als "sonnenweiße Stromesflut" beschrieben, und ein friedliches Morgengefühl liegt über Baum und Beeten. Auch hier erklingt die Nachtigall über dem Fluss. Im dritten Teil des Gedichts wird das geschäftige Treiben der Stadt dargestellt, in dem Menschen verschiedener sozialer Schichten aufeinandertreffen. Es wird von Straßentreiben, reichen Männern und Bettelkindern, Myrtenkränzen und Leichenzügen berichtet. Trotz des Trubels bleibt die Nachtigall über dem Fluss die konstante Komponente. Der letzte Abschnitt des Gedichts beschreibt den Abend, der sich langsam über die Landschaft senkt. Die harte Welt wird milde, und die Herzen finden Frieden. Selbst Helden werden zu Kindern, was eine gewisse Verletzlichkeit und Rückkehr zu den Wurzeln symbolisieren könnte. Die Nachtigall über dem Fluss singt auch hier weiter und rundet das Gedicht mit ihrem beständigen Gesang ab.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Flüsterwort und Liebeskuß
- Kontrast
- Reicher Mann und Bettelkind
- Metapher
- Sonnengrüner Rosengarten
- Parallelismus
- Flußüberwärts singt eine Nachtigall
- Personifikation
- Mitternacht, die Gärten lauschen
- Symbolik
- Myrtenkränze, Leichenzüge